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24 Juli 2012

Liebe Schüler,

auf Grund der so arg hohen Temperaturen werden wir es ein wenig lockerer angehen lassen. Größtenteils werden wir uns mit der Form und DanChi und ChiSau in der WingTsun Schule Bad Honnef auseinandersetzen und somit an unserem taktilen Gefühl arbeiten, was sehr wichtig ist und eigentlich die hohe Kunst des WingTsun auszeichnet. In diesem sinne also bis gleich….

    • #DanChi
    • #ChiSau
    • #WingTsun Schule Bad Honnef
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Regeln für stressfreies taktiles Reaktionstraining
Im gemeinsamen menschlichen Miteinander müssen gewisse Regeln eingehalten werden, damit das Zusammenleben funktioniert. Das gemeinsame WingTsun-Training macht da keine Ausnahme. Deshalb habe ich in meinem Buch Kampflogik 3 diese Thematik aufgegriffen und ein Kapitel dazu eingefügt. Wenn wir auch im Kampf zur Selbstverteidigung an keine Regeln oder Techniken gebunden sind, beim Training mit unserem Partner müssen gewisse Verhaltensregeln eingehalten werden. Schließlich wollen wir kontinuierlich trainieren können und nicht ständig durch irgendwelche trainingsbedingten Verletzungspausen außer Gefecht gesetzt werden.

Wenn jemand in unsere ChiSao- oder ReakTsun-Klassen kommt, betritt er eine Welt, in der Worte und Bewegungen eine andere Bedeutung haben als im Alltag. Das ist dem Neuen nicht unmittelbar einsichtig, aber auch oft nicht dem Lehrer. Die Verständigungsrituale in solchen speziellen Klassen sind verschieden von der normalen Kommunikation. Das Training setzt aber stillschweigend die Kenntnis von Vereinbarungen und Regeln voraus. Der Lehrer und der ältere Mitschüler (SiHing) erwarten, dass der Schüler die bisher ungeschriebenen Regeln kennt und befolgt.

ChiSao – ob mit einem Mitschüler oder dem Lehrer – ist irgendwie immer eine brisante Angelegenheit: Man begibt sich in die intime Distanz mit einem anderen, verletzt dessen Territorium oder fühlt seines durch Grenzüberschreitung gefährdet.
Schauen noch andere dabei zu, hat unser verletztes Selbstbild noch mehr Grund, sich zu Wort zu melden. Aber auch das Ego unseres Gegenübers wird erwachen …

Hier nun die Regeln, wie man die gefährlichen Klippen des ChiSao- oder auch ReakTsun-Trainings umschifft. Oder auch wie man dem anderen verzeihen kann, indem man – Konfuzius folgend – von der Gleichheit der Menschen ausgeht und dem anderen zubilligt, ebenso von Emotionen geleitet zu sein, wie man selbst.


ChiSao- bzw. ReakTsun-Etikette

Mit Mitschülern

Der andere ist unser Partner

Das Gegenüber ist nicht unser Gegner, denn ChiSao ist kein Kampf, sondern eine Übung, durch die zwei Menschen ein gemeinsames Ziel erreichen wollen: mehr Sensitivität, mehr Tastsinn zu erlangen.

Das Ideal

Eine Fliege sollte nicht auf uns landen können, ohne dass wir es merken. Wenn sie auf der Handfläche landet, sollte sie unsere Hand dadurch bewegen (konkav machen).
Eine Fliege sollte nicht von unserer Handfläche starten können, ohne dass wir es ihr erlauben. Wenn sie sich zum Start abstoßen will, sollten wir nachgeben können.
Dieses ist eine Idealvorstellung, die wie jedes Ideal nie erreicht wird.

Mit richtig gemachtem ChiSao-Reaktionstraining entwickeln wir sieben Fähigkeiten

• Aufmerksamkeit
• Beweglichkeit, Lockerheit, Agilität
• Koordination, Körpereinheit = die Fähigkeit, alle Kraft in eine Bewegung zu legen
• Balance
• Sensitivität des Gesamtkörpers, Distanzgefühl
• Entschlusskraft, Fighting Spirit
• Timing

http://www.wingtsunwelt.com/editorial/regeln-fuer-stressfreies-taktiles-reaktionstraining
    • #WingTsun Bad Honnef
    • #Regel
    • #ChiSau
    • #Kampflogik3
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15. Juni 2012

Heute beim Training in der Wing Tsun Schule Bad Honnef werden wir uns mit einarmigem und zweiarmigen Schubsen erstmal auseinandersetzen. Anschließend geht es mit DanChi und ChiSau weiter um unser Gefühl zu verfeinern. Zum Schluss werden wir noch ein paar Drills und Gleichzeitigkeiten durchgehen…

Wir freuen uns schon auf gleich….

    • #wing tsun schule bad honnef
    • #schubsen
    • #wing tsun
    • #ewto
    • #danchi
    • #chisau
    • #drills
    • #gleichzeitigkeiten
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Wie man aus meiner Sicht WingTsun effizient unterrichtet
Im folgenden Meisterprotokoll fasst der österreichische Meister Mario Janisch, 6. Grad, seine im Laufe der Jahre gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse zusammen, wie er sie als Stand der Dinge zum heutigen Zeitpunkt wahrnimmt. Damit ist, wie er am Ende schreibt, jedoch keineswegs das Ende seines eigenen meisterlichen Lernprozesses erreicht.
Aber jetzt hat Sifu Janisch das Wort:
Ich betreibe WingTsun nun seit 30 Jahren, davon unterrichte ich es 24 Jahre. WingTsun habe ich seither in vielen Facetten kennengelernt.

Die WingTsun-Programme lassen sich mehr oder weniger in zwei Teile einteilen:

die traditionellen Programmteile und
die modernen, anwendungsbezogenen Programmteile
Während die traditionellen Programmteile im Großen und Ganzen immer gleich geblieben sind, hat es bei den anwendungsbezogenen Programmen in Europa immer schon Entwicklungen gegeben.

Zu Beginn der EWTO wurden Gleichzeitigkeitsdrills und Kettenfauststöße geübt, dann mit Boxhandschuhen in realistische Umsetzung geprobt – später entstanden die LatSao-Programme, dann BlitzDefence. Die letzte Entwicklung sind die Reaktionsprogramme „ReakTsun“ und die vier Routinen.

Jede Veränderung hat erst einmal zu Irritationen geführt und einige Lehrer klammerten sich an den alten Programmen fest, die sie so lange geübt hatten – sei es aus der Angst vor Veränderung, „etwas Neues lernen zu müssen“. Doch alles entwickelt sich weiter. Wer stehen bleibt, endet als Dinosaurier und stirbt irgendwann aus.

Ich glaube, manche Probleme entstehen, weil WT-Lehrer die Programme nicht verstanden und speziell den Gesamtzusammenhang bzw. den Grund für die Veränderung nicht erfasst haben.

Es machte mir immer irrsinnig viel Spaß, die jeweiligen Programme meinen Schülern weiterzugeben und auch deren Sektionen.

Aber vor ca. 8 Jahren begann SiFu Kernspecht, in kleinen Schritten das so genannte traditionelle WingTsun so zu verbessern, dass eine nie da gewesene Lebendigkeit zu fühlen war. Diese neue Methode stellte mein bisheriges WingTsun regelrecht an den Pranger, denn die traditionelle Methode funktionierte dagegen in keiner Weise mehr. Ich erkannte sofort, dass dieses neue Körpergefühl etwas ganz Besonderes war; denn ich traue mich zu behaupten, dass ich in 20 Jahren Sicherheitsbereich unzählige Schlägereien bestritten habe und immer als Gewinner ausstieg.

Ich konnte es fast nicht glauben, denn ich dachte, mein WingTsun sei schon funktionstüchtig. Da ließ ich mich eines Besseren belehren und wurde Schritt für Schritt in die modernen Programme –zuerst BlitzDefence, dann Falten, Glibschen, ReakTsun und Routinen – eingeweiht. Wenn man SiFus ChiSao derzeit betrachtet, könnte der WT-Schüler denken, es handle sich um simple Bewegungsmuster, die zwar logisch, jedoch ohne feste Herkunft zu sein scheinen.

Betrachtet man das Ganze aus der Sicht von SiFu, wird einem erst nach genauer Erklärung bewusst, welche hohen WT-Programme Einfluss darauf genommen haben. Konzepte, Techniken und Anwendungen aus der BiuDjie, Holzpuppe, Langstock und Doppelmesser haben ihren Beitrag dazu geleistet, dass SiFus ChiSao so effektiv geworden ist. Seine fließenden Bewegungsmuster sind ChiSao und LatSao auf höchster Ebene. Angefangen mit einfachsten, aber kürzesten Bewegungen ohne lange Abläufe.

Die Veränderung meiner Sichtweise

Vor allem in der Nahdistanz, durch die Rückwärtsplanung, benötigen wir einen anderen Stand als den IRAS: Ein Bein muss vorn stehen. Unser WT sollte auf natürlichen Reflexen aufbauen, um einen Schüler schneller voranzubringen. Diese Impulse und Denkanstöße, die SiFu mir vermittelte, haben mich dazu veranlasst, mein eigenes Training zu überdenken, umzugestalten und damit für den Schüler effektiver zu machen.

Durch meine Lehrtätigkeit bin ich sehr viel mit den Sektionen (= Partnersequenzen mit Kontakt) beschäftigt. Aber die Art und Weise, wie SiFu uns seine Ideen und sein Wissen nahegebracht hat, haben diese Fixierung und Abhängigkeit gebrochen und mich dazu bewegt, freier zu arbeiten.

Vorerst möchte ich erwähnen, dass wir zwar in unseren Armtechniken flexibel sind, aber durch den festen Sektionsablauf gefangen sind, und dass nur unsere Arme flexibel sind, jedoch unser Körper sehr steif, weil wir von unseren Bewegungsmustern nicht einen Zentimeter abweichen.

Ich glaube, all das brauchte auch SiFu als Entwicklung, um das Ganze noch anzuheben. Ich denke, SiFu ist der erste Meister, der sich wagt, WT von seiner festgefahrenen Struktur zu befreien und sich nur auf die Prinzipien zu stützen, um Experimente durchzuführen.

Das Unterrichten fiel mir am Anfang sehr schwer, denn ich hatte meine gesamte Trainingsmethode verändert:

Mehr Beweglichkeit
Enges Arbeiten, z.B. Schubsen
Rückwärtsplanung
Aushöhlen und Zurückbeugen
Messerprogramme
Ich begann als Erstes meinen höchsten Schülern ein neues Verständnis für die Bedeutung und den Unterrichtseinsatz der Sektionen (Partnerformen) und deren festgelegte Abläufe zu vermitteln. Schnell wurde klar, dass unsere Sektionen anders ungterrichtet und trainiert werden müssen, so dass ich begann, die Sektionen in kürzere Teile zu splitten.

Meine jetzige Ansicht der Sektionen

Völlig entspannt
Wie es SiFu schon sagte: „WT ist mein Knecht.“ Und die Partnerformen sind Mittel, die mir nützen sollen. Wenn ich einen Schüler auf eine Partnerform vorbereite, lasse ich diese am Anfang wie ein Notenstück in nahtlosen Übergängen üben. Dabei finde ich es sehr wichtig, so kraftlos wie möglich zu arbeiten.
Mit Störer
In weiterer Folge ist es meiner Ansicht nach wichtig, in diesen Ablauf Blocks und völlig unspezifische Drücke einzubauen, wie man es von Anfängern kennt, wodurch die sonst festgelegten Abläufe eine gewisse Lebendigkeit bekommen. Der Schüler sollte jedoch immer wieder zu seinem Ablauf zurück.
Sehr kraftvolle Angriffe
Der Angreifer sollte in weiterer Folge die Angriffe „getimt“ ins Ziel bringen und doch nicht den festgelegten Ablauf verlassen. Dabei sollte er mit sehr schnellen und knackigen Angriffen punkten. Sein Partner sollte hingegen sehr entspannt und sauber den Angriff aufnehmen können.
Jeden der Sektionsangriffe im Ansatz eliminieren
Die Wichtigkeit in diesem Aufbau ist es, dass die genaue Verteidigungsbewegung nicht aus dem Sektionsablauf stammt. Hier darf und soll der Schüler improvisieren. Der festgelegte Angriff strukturiert den Trainingsablauf ,und es geht darum, dass der Schüler dem Angriff ich beliebig begegnet und „nach Hause begleitet“.
Die Formen und auch Partnerformen decken nicht alles ab

Viele Traditionalisten glauben, dass Soloformen in Verbindung mit Partnerformen (= ChiSao-Sektionen) alles abdecken und dem Schüler alle Fähigkeiten vermitteln. Doch die Realität spricht andere Bände; denn nur, wenn man sich von seiner Kraft und den eingeschliffenen Reaktionen völlig frei gemacht hat, entstehen wie von selbst die Reaktionen für die Verteidigung.

Ein wichtiger Anreiz ist es zu wissen, dass man gar nicht in der Lage ist, einen Fauststoß eines Gegners abzuwehren, sondern es nur möglich ist, seiner eigenen Hand auszuweichen; denn wer könnte zu meinem Arm eine bessere Verbindung haben, als ich selber. Ich glaube nicht, dass ich mir selbst meine eigene Hand ins Gesicht schlagen würde.

Korrekt wäre es, wenn man angegriffen wird, seine eigenen Arme mit denen des Angreifers verschmelzen zu lassen und dabei den ganzen Körper wegzubewegen. Das ist das, was SiFu Kernspecht das „Gestänge“ nennt! Im Prinzip folge und verschwinde ich nur mit seinem Angriff, aber ich verändere nicht seine Schlagrichtung. Ich bin nur weg!

Ein Schüler bewegt jedoch viel zu viel seine Arme, Handgelenke und Ellbogen, aber sein Schultergelenk harmoniert nicht wirklich in Verbindung mit dem Körper.

ReakTsun-Programm zum Ausbilden des Tastsinns

Dort wo Partnerformen nicht greifen – bei der Ausbildung des Tastsinns des ganzen Körpers – gibt es nun seit einiger Zeit für die Schülergrade zur Ergänzung und Verbesserung des traditionellen WT-Programms das so genannte ReakTsun, das wie ein Turbo einsetzbar ist: Durch die vier Schutzpositionen lässt sich das ReakTsun sensationell anwenden. Durch die Großen Sieben geht der Angriff völlig ins Nichts und es wird gleichzeitig gekontert.

Das ReakTsun-Programm besteht aus 24 verschiedenen Bewegungsmustern. Der Schüler sollte anfangs auf die Impulse des Angreifers sehr sensibel reagieren. Hier wirkt es meist frustrierend, einfachen Angriffen nicht gewachsen zu sein. Die nötigen Korrekturen helfen dem Schüler, seinem Körper eine bessere Beweglichkeit zu geben. Meines Erachtens sollte man alle Übungen sehr langsam ausführen, um sich selbst bewusst zu werden, was gerade geschieht und wer was gerade zu bewegen hat.

Es ist sehr wichtig, sich und den anderen beobachten zu können, weil sonst die Qualitätsverbesserung kaum zu schaffen ist. Besonders schwierig ist es, dem Angriff möglichst keinen Widerstand entgegenzusetzen, immer wieder auf kleinsten Widerstand sich zu verändern und dennoch im gleichen Moment einen Angriff zu geben.

Der Schüler sollte den Schwerpunkt legen auf:

Aushöhlen (Brust in sich zusammenfallen lassen)
Sich zurückdrücken lassen
Als Körpereinheit nach vorne kippen, zusammen mit dem Schlag
Als Trainingsmethode die drei Timing-Punkte:

Will mein Partner mich schlagen, schlage ich ihn, bevor er mich schlagen kann.
Ist der Schlag schon unterwegs, versuche ich ihn mit Timing zu treffen.
Er gibt einen Schlag, drückt mich in die ReakTsun-Bewegung, ich schlage ihn genau, wenn er seinen Schlag beendet.
Hier kann ich das Falten und Glibschen wunderbar mit einbauen und werde dabei immer flexibler.

Effizient ist, in der diagonalen Position (Schutzposition 1) mit der linken Hand fünf verschiedene Angriffe auszuüben:
Über seine linke Hand zur linken Schulter, zur rechten Schulter, zum Kopf, mit einem Fauststoß im unteren Bereich wieder über seine Hand, einmal zur Leber und einmal zur Milz.
Das Gleiche gilt für die parallele Schutzposition 2. Der Schüler lernt, mit den verschiedenen Drücken umzugehen.

Als Angreifer lernt er auch, seinen eingeleiteten Angriff sich wieder anpassend zu verändern, was dann in den meisten Fällen vom Verteidiger nur mit Härte erwidert wird. Der ReakTsun-Trainierende kann durch seine Anpassung ungehindert seine Treffer landen. Wenn das ReakTsun auf die Partnerabläufe (Sektionen) stößt, ist schnell zu erleben, dass dem Sektionsanwender, der seinen festgelegten Angriff startet, meist keine passende Antwort mehr einfällt, wenn der andere im gleichen Augenblick mit einer lebendigen und angepassten ReakTsun-Antwort „reagiert“. Darum ist es im Training sehr effizient z.B. die 1. Sektion durchzuspielen und sich dabei immer wieder vom festen Ablauf zu lösen.

Durch ständiges Armwechseln des Partners muss der Angegriffene ständig in die verschiedenen Schutzpositionen und lernt, sich optimal auszurichten, dabei mit den passenden Reaktionsbewegungen zu agieren und kontrolliert zu beenden.
Unglaublich ist, wie SiFu mit seinem Reaktionsvermögen Arm- und Rumpfbewegungen auf den Punkt bringt. Das allein macht unser WingTsun unkopierbar.
Als Lernmethode ist jedem Schüler eine Stecknadel zu geben, um die ReakTsun- Programme zu üben. Es ist ein Hochgenuss, wie sich der Schüler in kürzester Zeit mit seinem Rumpf (gesamter Körper) effizient bewegen kann.
Als weitere Trainingsmethode kann man einen dritten Partner als Störer ins Spiel bringen, der seinen Trainingspartner vorübergehend verlässt, um andere Trainierende überraschend zu schubsen oder festzuhalten. Dadurch wird die Aufmerksamkeit enorm geschult.

Außerdem darf bei realistischem Training nicht nur gesprochen werden, sondern es gehört dazu!

Trainingsmethoden für Anfänger

Auf den ersten und zweiten Schülergrad lernt der Schüler die ersten Blitz-Angriffe. Dabei ist es vorab wichtig, nicht in die Opferrolle zu geraten, Konflikte zu vermeiden und im Falle eines sich anbahnenden Übergriffs dem Angreifer im entscheidenden Moment zuvorzukommen. Der Schüler sollte in den ersten Programmen die Gefahren erkennen und diese im Keim ersticken, indem er kompromisslos nach vorn geht und den ersten Schlag macht, was für ganz viele Menschen eine große Hürde ist.

In dieser kurzen Zeit eines Angriffs sind wir durch Angst, Stress und den damit verbundenen Hormon-Cocktail nicht voll handlungsfähig. Unser Körper funktioniert in dieser Zeit spärlich bis überhaupt nicht. Der Körper fährt sein Notprogramm hoch, das uns in den meisten Fällen erstarren lässt und sämtliche Funktionen wie Feinmotorik und Gefühlssensoren außer Kraft setzt, sofern man sich nicht gerade jeden Tag mit Sparring auseinandersetzt. Durch intensives Training und Rollenspiele wird der Körper unter Kontrolle gebracht, so dass wir uns aus der Erstarrung befreien und den Angreifer angreifen können.

Als BlitzDefence-Anwendung sollte der Anfänger, egal ob er gegen einen Rechtsausleger oder einen Linksausleger kämpfen muss, sich immer so positionieren, dass er sich in der Außenposition befindet und seine starke Hand als Schlaghand einsetzt. Durch dieses Prinzip braucht man nicht viele Techniken, und wenn der Angreifer die Schläge speziell noch mit der schon starken Hand eintrainiert, hat er eine reale Chance seine Auseinandersetzung zu bestehen.

Die Trainingsmethode im Anfängertraining sollte sich im Anwenderbereich auf grobmotorische Angriffe festlegen, die neben dem BlitzDefence trainiert werden.

Das Training beinhaltet, dass man sich aus ganz naher Distanz von allen Seiten schubsen zu lässt. Bei Schülern, die gerade die SNT- oder ChamKiu-Form üben, ist der Überraschungseffekt sehr groß.

Auch plötzlich an den Armen gegriffen zu werden, ist eine gute Übung.

Ein absolutes Muss ist die Verteidigung gegen Schwitzkasten, der schnell zum Einsatz kommt, wenn man nicht gleich den Kampf für sich entscheiden kann. Hat uns der Gegner auch noch gut im Griff, hat man als Laie kaum eine Chance, nochmals die Oberhand zu bekommen. Es ist wichtig für den Schüler zu wissen, dass der Schwitzkasten sich aus dem Schwinger/Haken entwickelt und somit natürlich entsteht, wenn man nicht getroffen hat. Darum finde ich es wichtig, dass der Lehrer diese Thematik dem Schüler vermittelt.

Der Schüler sollte auch aus Verletzungsgründen das Fallen lernen, das man ihm mit einfachen Fegetechniken superschnell beibringen kann.

„Sucker“-Attacks – Hinterhältige Überraschungsangriffe

Ein sehr wichtiger Trainingsbestandteil sind nicht gleich erkennbare Angriffe, wie der so genannte Sucker-Punch; denn, wenn man nicht erkennt, dass man von einem Angriff überrascht wird, stehen die Chancen sehr schlecht, ihn rechtzeitig zu erkennen, abzuwehren und nach Hause zu begleiten.

In meinen Tests gegen verschiedenste Stile, inbegriffen WT, konnte ich ganz einfach im richtigen Moment, sprich Timing, meine getäuschten Angriffe anbringen. Durch meine Erfahrung im Sicherheitsbereich ist es eben wichtig, gut geeicht zu sein, um solche Angriffe zu erkennen, denn diese Angriffe entstehen durch die Situation und Manipulation, so dass der Angriff erst im allerletzten Moment zu erkennen ist. Richtig angetäuschte Angriffe sind wie ein Geschenk verpackt und voller Überraschungen. Sie werden durch Ablenkungsmanöver eingeleitet und versuchen einen taktisch auf die falsche Fährte zu locken, und schon hat man verloren, denn der nicht erkannte Überraschungsangriff lässt einen völlig für den Augenblick erstarren. Darum muss man diese Angriffe richtig gut trainieren, um sie dann auch abwehren zu können und „nach Hause zu begleiten“.

Als weitere Hilfestellung im LatSao-Programm

Da im traditionellen LatSao-Programm sehr viel mit den Armen gearbeitet wird, aber nicht mit Schulter und Körper, habe ich für mich festgestellt, dass es zwar viele schöne Anwendungen für jede Schülergraduierung gibt, die doch wieder nur auf festen Bewegungsmustern beruhen und der Körper nicht wirklich in Bewegung ist, sondern eher steif gehalten wird.

Wenn wir aber im LatSao bei einem Angriff sofort angemessen unseren angegriffenen Körperteil aus der Angriffslinie bringen, ohne dass wir erst auf die Armberührung warten, wird unser LatSao um vieles lebendiger und freier. Dadurch, dass wir unsere natürlichen Reflexe einbauen dürfen, werden die Bewegungsmuster auf jeden einzelnen zugeschnitten und dadurch auch effektiver.

Ich habe durch SiFus Unterricht verstanden, dass das Ziel ein völlig freies Reagieren ist, das dazu führen soll, auf tote Techniken zu verzichten und instinktiv in Millisekunden die richtige Antwort zu finden – sprich „unbewusst“ kompetent.

Doch das ist nicht nur körperlich gemeint und bezieht sich nicht nur auf den Kampf mit anderen. Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass der Weg eines Meisters hier nicht endet. Durch die Prinzipien des WT entwickelt er seine Denkweise und Möglichkeiten und erweitert allgemein seinen Horizont.

Vielen Dank!

Sifu Mario Janisch

http://www.wingtsunwelt.com/wingtsun/wie-man-aus-meiner-sicht-wingtsun-effizient-unterrichtet
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DaiSifu Rainer Tausend
ChiSao – wie ich es jetzt verstehe

Es war mir schon vor vielen Jahren aufgefallen, dass SiFu sein ChiSao „irgendwie anders“ machte als wir. Dies war noch lange, bevor er seine aktuelle Konzeption vor einigen Jahren den Meistern und Technikern vorstellte.
Damals meinte ich, bei SiFu etwas gesehen zu haben, was ich für mich einen „virtuellen“ KaoSao nannte. Zu dieser Zeit konnte ich noch nichts Richtiges damit anfangen. „Wie macht er das?“, fragte ich mich.
Heute weiß ich natürlich, was da geschah: Er machte schon damals nicht einfach einen KaoSao, weil er das wollte, sondern sein KaoSao entstand wie von selbst aufgrund meiner Aktion.
Mir war damals nicht wirklich bewusst, dass ich selbst den winzigen Druck in die Richtung nach außen gegeben hatte und SiFu so und nicht anders nachgebend reagieren „musste“. Noch bevor ich mit meinem Druck nach außen fertig war, hatte mich sein Konter schon getroffen.
Ich wusste immer, dass SiFu sehr schnell ist, aber so schnell hatte ich ihn nie zuvor wahrgenommen.
Dieses Ereignis ist jetzt schon ein paar Jahre her. Damals machte ich mir noch keine richtigen Gedanken über das, was da passiert war. Nur eins fragte ich mich danach: „Wie konnte er nur so schnell sein?“ Seine Muskelfasern können sich nicht doppelt so schnell bewegen wie bei anderen trainierten Menschen! Es gibt hier eine natürliche Grenze. Das war mir beim Uni-WingTsun-Studium nach einigen Vorlesungen klar geworden.
Seine Geschwindigkeit kommt von seiner Umsetzung der WingTsun-ChiSao-Konzeption: von totaler Muskelentspannung, fließenden Bewegungen, flexiblen Reaktionen in allen Situationen, kurzen Bewegungen und keiner Abhängigkeit von eintrainierten, vorgeplanten Abläufen und vor allem von perfektem Timing.
Schon damals war dies das Geheimnis seines ungewöhnlichen Handelns, denke ich. Aber er schien es, zu der Zeit unbewusst zu machen. Er unterrichtete es nicht, sondern hielt sich beim Unterricht nur an die überlieferten Vorlagen.

Ich muss einmal an den Anfang meiner WingTsun-Karriere zurückgehen.
Als ich mit WingTsun anfing, war das Erste, was ich vom WingTsun hörte: Der Arm bewegt sich wie eine Peitsche. Er sollte so flexibel wie eine Peitsche sein und so anpassungsfähig wie eine Schlange.

Die Schlange hat natürlich einige Gelenke mehr als der menschliche Arm. Trotz dieses Unterschiedes sollte unser Arm sich so biegsam wie eine Schlange oder wie eine Reitpeitsche bewegen. Über das Drücken des Armes zu BongSao und das Zurückpeitschen mit FakSao wurde damals schon gesprochen.
Mein damaliger SiHing hatte den Neuinteressenten die nötige Flexibilität des Armes immer anhand einer Reitpeitsche demonstriert, die er bei jeder Vorführungsveranstaltung unter den Arm geklemmt herumtrug.

Als ich Ende 1981 mit dem Unterrichten begann, hatte ich in meinem Koffer, den ich zum Training mitnahm, auch immer eine Reitpeitsche dabei, damit ich den Neuinteressenten diese Eigenschaft des WingTsun zeigen konnte. Ich zeigte immer an der Reitpeitsche, dass es für einen Fauststoß sehr schwierig ist, die Peitsche (BongSao) zu kontrollieren. Ein bisschen zu viel Druck oder Bewegung und schon schlägt die Peitsche zu. Die Peitsche hat hier nur eine einzige Richtung, nämlich die Richtung des FakSao aus der ersten Form.
Es gab zu jener Zeit keine richtige Möglichkeit, diese Peitsche abzuwehren. Ich kann mich nur an eine Möglichkeit erinnern: Der Peitsche erst gar keinen Grund zum Entstehen zu geben.

Diese alten Gegebenheiten wurden mir wieder bewusst, als ich mich näher mit SiFus „neuen“ ChiSao-Ideen befasste. SiFu selbst nennt sie übrigens nicht „neu“. Für ihn sind sie nur die „Konsequenz der WingTsun-Leitideen“, so wie er sie von seinem SiFu gelernt hat und jetzt für sich interpretiert.
Er hat aus diesen „Ideen“ kein festes Programm gemacht und sie keinen bestimmten Techniker- oder Meister-Stufen zugeordnet. Er hat auch keine neuen Techniken geschaffen.
Jedenfalls ist das, was wir vor diesen vielen Jahren gerne umsetzen wollten, mit Leichtigkeit und Spontaneität jetzt Dank dieser Interpretation möglich.

Ich habe erkennen müssen, dass wir in den letzten acht bis zehn Jahren Gefahr liefen, dieses Ziel aus den Augen zu verlieren, indem wir uns fast nur mit festen Bewegungsabläufen (Techniken!) beschäftigten: mit Schein-ChiSao!
Ich will damit überhaupt nicht die Bedeutung der von Großmeister Leung Ting geschaffenen sog. „ChiSao-Sektionen“ klein reden. Ganz im Gegenteil: Sie sind ein geniales Hilfsmittel, um uns Bewegungsauswahlmöglichkeiten, die wir für ein spontanes, lebendiges, echtes ChiSao benötigen, in einem geordneten Lehrplan zu unterrichten.
Ohne die „ChiSao-Sektionen“ wäre es für die Schüler unmöglich, wirklich alle „Techniken“ des gesamten WingTsun-Repertoires zu erlernen und sich zu merken. Ohne die „Sektionen“ wäre es aber auch für den Lehrer unmöglich, alles zu unterrichten, was es an Optionen gibt. Jeder kennt das: Man macht einige Dinge im Training besonders gerne und man vergisst, dass es auch noch andere Bewegungen gibt, die man unterrichten muss, weil sie vielleicht nicht mir, sondern meinem Schüler nützen könnten.
Hätte man jetzt kein Programm (Partnerformen mit ChiSao-Kontakt), würde man bestimmt einige wichtige Dinge nicht unterrichten. Man sollte bedenken, dass jeder Schüler eine andere Lieblingstechnik hat, die er besonders gut kann und die ihm besonders gut liegt. Gäbe es hier keinen Plan, würde jeder nur die Lieblingstechniken des Lehrers erlernen, und zwar aus der Lebensphase heraus, in der sich der Lehrer gerade befindet.

Die „ChiSao-Sektionen“ wurden leider von einigen von uns als das Mittel aller Dinge missverstanden. Der Ablauf war das Wichtigste. Manche haben sogar neue Abläufe hinzugedichtet und diese als Geheimnis angepriesen, welches angeblich nur sie gelernt hätten. Aber warum sollte das bei uns anders laufen, als es Großmeister Yip Man selbst erging?
Es ist schon erstaunlich, welchen Phantasien und Verschwörungstheorien hier freier Lauf gelassen wurde. So wurde auch gerne behauptet, dass bestimmte „Techniken“ oder „Sektionsabläufe“ nur in Hongkong unterrichtet würden, da sie nicht in den Rest der Welt gelangen sollten.
Leider haben auch viele Schüler diesen Unfug geglaubt. Wenn sie dann noch das WT-Heilversprechen, sich spontan und mühelos verteidigen zu können, nicht erfüllt fanden und die Schuld nicht sich, sondern ausschließlich unserem Verband in die Schuhe schoben, war die Kündigung bei der EWTO oft die Konsequenz dieser Verunsicherung und Enttäuschung.
Sie suchten sich dann neue Gurus unter denen, die schon vorher unseren Verband verlassen und sich dann durch selbstgegebene Graduierungen erhöht hatten und vorgaben, diese „Sekten-Tänze“ noch detaillierter und in einer noch geheimeren Version von höchster Stelle gelernt zu haben. Einige glauben sogar, dass sie von Yip Man, der ihnen im Traum erschienen war, persönlich dazu berufen seien …
Dies ist ein Problem, solange es Menschen gibt: Personen, die die heile Welt versprechen, werden immer wieder zu Führern von Leichtgläubigen, die sich gerne führen lassen, und von Unzufriedenen und Neugierigen.

Der Weg zum Erlernen des WingTsun geht über die sog. „ChiSao-Sektionen“ – als eingesetztes Hilfsmittel. Manche wollen nun nach unserem neuen Verständnis das Kind mit dem Bade auskippen und diese nichttraditionelle Erfindung von Großmeister Leung Ting ganz abschaffen. Aber das ist völliger Unsinn. Das Einzige, was wir schleunigst abschaffen müssen ist der Name „ChiSao-Sektionen“, denn wie GM Kernspecht deutlich gemacht hat, vermittelt der Name den falschen Eindruck, dass diese festen Bewegungsabläufe angepasstes, spontanes Reagieren hervorbringen könnten. Nennen wir sie doch einfach und zutreffend so, wie Großmeister Leung Ting es auf einem Tutorial, bei dem ich anwesend war, auch tat: „Partnerformen“!
Hat man den Ablauf, die Reihenfolgen diese „Partnerformen mit Armkontakt“, bewusst gelernt, müssten sie in kurze Teile (Großmeister Leung Ting nennt sie „Ringe“) zerbrochen werden und irgendwie gespeichert werden.
So ist die Theorie. Aber ich denke, es ist für die meisten von uns sehr schwierig, die festen „Techniken“ der festen „Partnerformen“ spontan und auf die jeweilige Situation angepasst, abzurufen, ohne jedes Mal ein Blutbad anzurichten. Hier setzt meines Erachtens SiFus ChiSao-Verständnis an. Es erlaubt uns, ohne in Gefahr zu geraten, allen Bewegungen des Gegners freien Lauf zu lassen, ohne uns mit aller Kraft dagegen stemmen zu müssen.

SiFu sagte einmal beim Privatunterricht Folgendes:
„Die größte Gefahr für einen Meister (selbst für einen WT-Meister) ist ein Angreifer, der verrückt ist, völlig ausflippt und ohne Eigensicherung unkontrolliert angreift; denn der Verrückte bietet dem Meister keine „Form“, die er erkennen kann.“

Meine Erfahrung lehrt mich, dass man bei neuen Schülern in der WingTsun-Schule besonders aufpassen muss, weil sie – ohne sich darüber im Klaren zu sein – völlig unerwartete, scheinbar sinnlose und unkoordinierte Angriffe machen.
Ich denke, dies ist bestimmt eine nicht leichte Situation für so manchen Ausbilder, der erst mit dem Unterrichten angefangen hat. Mancher Ausbilder hat dieses – wie ich erfuhr – in der Vergangenheit mit Brutalität wettgemacht. Einer meiner Schüler, der während seiner Studienzeit in Deutschland unterwegs war und deshalb auch in einigen Schulen zum Unterricht war, hat mir hierzu z.B. erzählt, dass es in einer Schule üblich war, dass jeder neue Schüler schon einmal vorbeugend einen Ellbogen kräftig auf die Brust bekam, damit er „gewarnt“ war und in der Zukunft nicht auf dumme Gedanken kam und den Ausbilder nicht mit wilden, überraschenden Bewegungen anzugreifen wagte.
Leider hatte diese Methode auch den Nachteil, dass die Schüler nicht so lang dabeiblieben.
Prophylaktisches Einschüchtern des Schülers ist sicherlich eine Möglichkeit, im Unterricht nicht mit überraschenden Situationen konfrontiert zu werden, aber sie sollte unter der Würde eines echten WT-Lehrers sein; denn was ist schöner, als sich vor den noch zweifelnden Neuanfänger zu stellen und ihn freundlich aufzufordern: „Greif mich an, wie und mit was du willst! Ich werde damit fertig und ich werde dich nicht bei der Abwehr verletzen.“ In einer solchen Situation, für die unser WT geschaffen wurde, helfen keine vorgefertigten Techniken oder Kombinationen und gewiss keine geübten Partnerformen. Hier ist Spontaneität und Kreativität gefragt, alles Fähigkeiten, die aus dem Unterbewusstsein kommen, wenn man die Mittel hat, sie im Stress abzurufen …

In den vielen Stunden Privatunterricht konnte ich die Bewegungen von SiFu beobachten und auch immer wieder spüren. Manchmal dachte ich, der macht ja „nur“ die Anwendungen der dritten Form. Dann meinte ich, der hat ja Doppelmesser in den Händen, aber es waren seine Handkanten, die so schneidend auf meinen Körper einschlugen. Ein anderes Mal fühlte ich mich wie seine Holzpuppe. Er rutschte so elegant über meine Arme und ich hatte so gut wie keine Möglichkeit, etwas gegen diese schlüpfrigen Bewegungen zu unternehmen.

Mir wurde klar, er setzte seine neuen Erkenntnisse perfekt um. Jedes Dagegen-Reißen brachte im gleichen Moment einen neuen Treffer.
Eine Verteidigung war unmöglich, jeder Widerstand zwecklos. Jede Bewegung, die ich dagegen machte, löste einen neuen andersartigen Angriff aus: Hand, Ellbogen, FakSao von außen und das ganze Programm in die andere Richtung, FakSao aus den unterschiedlichsten Richtungen, keine wirklich vorhersehbare Bewegung, immer anders als erwartet.
Nach einigen Stunden Training und nachdem ich gelassener war und mich damit abgefunden hatte, getroffen zu werden, wurde dann doch die eine oder andere Abwehr möglich. Aber immer erfolgte ein direktes Ausnutzen der ersten erfolgreichen Abwehr durch SiFu und damit ein Treffer.

Ich begann dann, dies nun auch bei meinen Privatschülern zu unterrichten. In dieser Situation war ich derjenige, der austeilte. Die Kontermöglichkeiten meiner Schüler waren noch beschränkt. Sie hatten genug mit ihrem Körper und den Armen zu tun. Ich fühlte mit ihnen. Ich dachte, so hatte ich wohl bei meinen ersten Stunden bei SiFu ausgesehen.
Beim Lehrgang auf dem Schloss, beim praktischen WT-Teil des Uni-Studiums, beim Lehrgang in Homburg und beim Privatunterricht in Bulgarien, immer das gleiche Bild: Niemand, aber auch niemand, konnte gegen die Angriffe von SiFu irgendetwas machen, gegen diese formlosen und doch so präzise gezielten Schläge. Es war für mich ein Trost, dass ich nicht allein war und dass es allen Kollegen genauso erging.
Mir wurde immer klarer, welche Dimension an Genialität in dieser Methode steckt. Dass es etwas Großes, alles Umfassendes hinter der oberflächlichen Technik gab, was auch über die spezifischen Mottos hinausgeht, war mir schon immer klar, aber wie man dahin kommt, wusste ich nicht.
Um diese konzeptuelle Herangehensweise umsetzen zu können, muss man mit den kleinen Dingen anfangen, behutsam an sich arbeiten und in sich hineinspüren.
Es ist sehr wichtig, dass der Partner auch den entsprechend richtigen Druck geben kann. Ohne den richtigen Druck in der ersten Trainingsphase ist es fast unmöglich, die richtigen Reaktionen zu erlernen. Hier gewinnt die Rolle des Privatlehrers wieder eine ganz neue Bedeutung; denn seine Aufgabe kann keine DVD leisten. Beim echten ChiSao geht es nicht um das Auswendig-zu-Lernende und auch nicht um das Sichtbare; alles was hier zählt, ist Tasten und Spüren.
Mein Fazit aus dem Gelernten:

ChiSao ist kein Kampf, sondern eine Methode, um den Kampf in allen Situationen zu üben. Schläge aus allen Richtungen sind zugelassen.
Sei total entspannt, nicht nur in den Armen, sondern auch im ganzen Körper, stehe nicht immer mit verriegelter Hüfte da, betrachte den „unbeweglichen Ellbogen“ nicht als Tabu, das für ewig gilt. Gib immer und überall nach (auch der kleine Zeh muss in seinen Möglichkeiten nachgeben), halte nie dagegen, reiße nicht nach oben, aber drücke auch nicht nach unten, nutze jede Abweichung, beute – unmittelbar – jeden Gegendruck zum Gegenangriff aus.
Kontere, wenn der Gegner noch in der Angriffsbewegung ist, denn der Weg ist jetzt für Dich wirklich frei.
Wiederhole Deine Bewegungen immer und immer wieder. Aber schleife sie nicht ein, variiere sie. 10.000 Mal ist so gut wie einmal.
Mach dir nichts daraus, getroffen zu werden, kommentiere deine Fehler nicht, akzeptiere sie einfach, sie verschwinden, wenn die Zeit gekommen ist.
Auf diese Weise kannst du total entspannt sein und wirst dem Gegner immer weniger Druck geben, den er gegen dich ausnutzen kann.
Nichts ist unmöglich mit WingTsun.

DaiSifu Rainer Tausend
7. Meistergrad WT

http://develop.devtec.de/wingtsun/meister-tausend
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15 Mai 2012 Training

Liebe Schüler,

heute werden wir uns in der Wing Tsun Schule Bad Honnef ein paar praktischen Anwendungen für den Alltag angehen. Des weiteren wollen wir heute das DanChi und PonSau genauer unter die Lupe nehmen und die vier Basisrefelxe ein wenig einschleifen. In diesem Sinne freuen wir uns schon auf gleich…

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Schule für moderne Selbstverteidigung und Selbstbehauptung - Mitglied der EWTO

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