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Worin unterscheidet sich unser prinzipienorientiertes, Inneres WingTsun (WT) von seinen Verwandten?
Was sind eigentlich unsere Verwandten, unsere „Familie“?
Die zwei verschiedenen Zweige der Yip Man-Familie
Drei Voraussetzungen
Was muss man unbedingt können, um sich zu verteidigen?
Die Sieben Fähigkeiten
Merkmale techniken-orientierter äußerer Wing-Tsun-Stilisten
DAS PHILOSOPHISCHE & PRAKTISCHE GRUNDPRINZIP DES WINGTSUN


Was sind eigentlich unsere Verwandten, unsere „Familie“?

Die erweiterte große Familie besteht aus allen Schulen, die in der Tradition von Yim Wing Tsun stehen.

Dies schließt die Familie aller Schulen ein, die sich auf die Lehre des verstorbenen Großmeisters Yip Man berufen, das heißt auf die Interpretationen der Schüler von Großmeister Yip Man.

Die engere EWTO-WT-Familie:

Das Oberhaupt EWTO-Familie ist GM Prof. Keith R. Kernspecht (geb. 1945). Er lernte Anfang der 1970er Jahre als zweiter Nicht-Chinese zunächst in London das Wing Chun von Dr. Leung Jan, bevor er 1975 von seinem ersten chinesischen Meister J. Cheng zum WingTsun (WT) Großmeister Leung Ting (Hong Kong) „überwiesen“ wurde.

Großmeister Leung Ting hatte selbst zuerst von Leung Sheung, dem ersten und besten Schüler Großmeister Yip Mans, gelernt (der Ideen des Drachen-Stiles, den er vorher meisterte, in unseren Stil eingebracht hatte) und dann von Great Grand Master Yip Man selbst alles gelernt, was noch fehlte.

Großmeister Kernspecht hat in den 198oer Jahren zusätzlich noch von einem Sihing die Holzpuppen-, Langstock- und Messerform des Hongkonger Ving Tsun-Schulen gelernt, die in der Tradition der Söhne von Yip Man stehen. Und er hat in den USA und in Europa das nicht-klassische Gung Fu Bruce Lees von dessen 1. Schüler, Assistenzlehrer und besten Kämpfer Jesse Glover gelernt.

Um die Wechselwirkung zwischen dem Escrima und dem Jeet Kune Do Bruce Lees zu erfahren, begann GM Kernspecht schon 1977 mit dem philippinischen Escrima, das er bei den beiden ersten Escrima-Lehrern, die es in Europa gab, zu erlernen. Großmeister Bill Newman leitet noch heute die Escrima-Abteilung der EWTO und beschäftigt sich vermehrt um unser eigenes europäisches Erbe, den mittelalterlichen Waffenkampf.

Die Gemeinsamkeiten des Familienstiles:

All den Schulen der erweiterten Wing Tsun-Familie ist gemeinsam, dass sie schlagen und treten. Sie greifen, hebeln und immobilisieren auch, wobei es aber hauptsächlich ums Schlagen geht. Und sie kämpfen mit und gegen Waffen.

Die (Haupt-) Trainingsmittel sind Formen und ChiSao (mehr oder weniger strukturiertes Fühltraining), das LatSao (freies Kampftraining) findet in der Regel nur als eine Art Kettenfauststoßschlacht oder – alle taoistischen WingTsun-Prinzipien vergessend – als kickboxartiges „Sparring“ statt.

In der Regel kennen die meisten Schulen nur die direkte und aggressive Kampfweise. Sie beschränken sich auf geradlinige Bewegungen und weisen den nichtlinearen Haken und Schlägen aus der 3. Form und der kurvigen Bewegungsart der Doppelmesserform eine Ausnahmerolle zu.

Alle Schulen haben als Handlungsvorschriften grundsätzlich dieselben taoistischen Prinzipien und dieselben Formen (mit den „Techniken“), die sich von Schule zu Schule geringfügig und oberflächlich unterscheiden.

Diesen Unterschieden messen wir in der EWTO keine entscheidende Bedeutung zu, da sie in der Praxis des Kämpfens keinen Unterschied machen.


Die zwei verschiedenen Zweige der Yip Man-Familie

Was nun die Yip Man-Familie angeht, so wird sie in dem offiziellen Genealogie-Buch der Yip Man-Familie, „Genealogy of the Wing Tsun Family“ (1990 herausgegeben von der Ving Tsun Athletic Association, auch zu finden in „Geschichte des Yip Man-WingTsun-Stiles“, S. 104 -109) in zwei Zweige eingeteilt:

die Traditionalisten (Ving Tsun oder Wing Chun)
die Reformer (Wing Tsun)
Bei den sog. Reformern handelt es sich um die Schulen, die sich an der Lehre GM Leung Tings (geb. 1947) orientieren, der sowohl der sog. Closed Door-Student Yip Mans war als auch der Todai von Leung Sheung, dem ersten Schüler Great Grandmaster Yip Mans in Hongkong.

Den größten Teil der Reformer stellt die EWTO, die in der 2. Hälfte der 1970er Jahre in Kiel von GM Kernspecht (geb. 1945) gegründet wurde und weltweit wohl der größte professionelle Verband des erweiterten Familienstiles ist.

1. Die Traditionalisten (Schreibweise: „Ving Tsun“ oder „Wing Chun“)

Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Lehre von Great Grandmaster Yip Man so zu unterrichten, wie sie es in den 1950er Jahren von ihm lernten. Zu den Traditionalisten kann man fast alle Schüler Yip Mans und deren heutige Schüler und Vertreter rechnen.

2. Die Reformer (Schreibweise „Wing Tsun“)

Sie orientieren sich am weiterentwickelten Altersstil Yip Mans, den der junge Leung Ting Anfang der 1970er Jahre im Einzelunterricht durch Yip Man erhielt. GM Leung Ting hatte ursprünglich von seinem SiFu Leung Sheung gelernt, bis ihn Yip Man (zu Leung Sheungs Ärger!) mit einer öffentlichen Zeremonie als persönlichen Schüler annahm und ihn später sogar zu seinem „Nachfolger“, allerdings nur in seiner Rolle als „Cheftrainer der Ving Tsun Athletic Association“, einsetzte.

Indem er Leung Ting als Todai annahm, also gegen die Regeln des KungFu verstieß, dass jeder nur einen Si-Fu haben kann, hatte Yip Man seinen Stil in zwei verfeindete Lager zerrissen, die sich, was den Westen angeht, noch heute in Internetforen erbittert bekämpfen.

In Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern ist der Hass, der uns von Hongkong in die Wiege gelegt wurde, besonders tief, denn fast ausnahmslos wurden die deutschen Vertreter der verschiedenen Yip Man-Schüler (Wong Shun Leung, Lok Yiu, Ip Chun, Ip Ching usw.) ursprünglich von der EWTO ausgebildet und einige wenige verbringen viel Zeit damit, über ihre Ex-SiFus herzuziehen, statt an ihrem Ving Tsun oder Wing Chun zu arbeiten und ihre Schulen zu vergrößern und ihren Stil weiterzuentwickeln.

Die EWTO selbst hat für solche Streitereien weder Lust noch Zeit; wir sehen uns nicht als Alleinvertreter des Familienstiles und freuen uns über die Vielfalt der Interpretationen.

In Hongkong selbst hat sich die Aufregung, die im Herbst 1976 (nach Yip Mans Tod!) einen Höhepunkt erreichte, als der junge und übermütige Leung Ting sich angeblich gegenüber einer Zeitung als „Führer der gesamten Yip Man-Familie“ erklärte, längst gelegt.

Wong Shun Leung, ein bedeutender Schüler Yip Mans, erklärte mit Recht, dass es „keinen Führer der gesamten Yip-Man-Familie“ gibt, und am 15.10. 1992 zog er einen Schlussstrich unter den alten Streit, indem er schrieb:

„Was vorbei ist, ist vorbei. Lassen wir es dabei bewenden, Keiner kann in die Vergangenheit zurückgehen. Was die Zukunft unserer ganzen Familie angeht, so hoffe ich, dass jeder von uns seine Vorurteile vergessen kann und zum Ruhme der ganzen Familie beiträgt.“

Das offizielle Genealogie-Buch der Yip Man-Familie erklärt, wie sich die beiden Haupt-richtungen, die „Traditionalisten“ und die „Reformer“ voneinander unterscheiden: Sifu Po Kin Wah, wie GM Leung Ting Schüler von Großmeister Leung Sheung und Englisch-Lehrer, definiert den Unterschied vor allem an der Art, wie die Verteidigungs-Techniken Tan- Bong-, Fook- und KwanSao, wie der Adduktionsstand der 1. Form und wie die Wendung gemacht wird.

Wer sich für solche Details interessiert, kann die Endpositionen dieser Techniken illustriert und beschrieben im Genealogie-Buch der Ving Tsun Athletic Association auf S. 32 bis 38 betrachten, bzw. in unserem Buch „Die Geschichte des Yip Man-WingTsun-Stiles“ auf S. 104-107.

Kurioserweise weist dieses Buch (S. 107) dann sogar darauf hin, dass es die Reformer (also die Leung-Ting-Schule) sind, die z.B. dieselbe Endpositionen bei BongSao und TanSao zeigen wie Yip Man auf seinen Fotos.

Dass unser radikales, d.h. prinzipien-orientiertes EWTO-WingTsun solchen „Kinkerlitzchen“ keine Bedeutung beimisst, weil sie unserer Erfahrung nach in der Praxis des Kämpfens keinen Unterschied machen, der einen Unterschied macht, wird aus GM Kernspechts Position deutlich:

„Große Geister diskutieren Prinzipien,

durchschnittliche Geister vergleichen Techniken,

Kleingeister reden über Endpositionen von Techniken.“

Weder Bong-, Tan- oder FookSao-Positionen, noch die Frage, ob die Wendung auf der Hacke oder der Fußmitte durchzuführen ist oder ob sie eigentlich eine Gewichtsverlagerung ist, erscheinen uns auf dem heutigen Stand unserer Erkenntnisse einen gravierenden Unterschied zu machen.

Was aber den wichtigen Unterschied macht,

ist ob der Lehrer WingTsun

• prinzipien-orientiert (wie in der EWTO)

oder

• techniken-orientiert

unterrichtet.

Mit anderen Worten:

Sieht der Lehrer/Stil die höchste Instanz bei den Prinzipien und damit der Funktion? (EWTO)

oder

Sind die Techniken und damit die Form für ihn ausschlaggebend?

Folgt in dem betreffenden Stil die Form der Funktion (EWTO) oder die Funktion der Form?

Anders gefragt:

Wendet man die Prinzipien (EWTO) an oder die vorgeplanten „Techniken“?

Die offizielle Grundsatzerklärung des Yip Man-Stiles: Das KONZEPT

Lesen wir noch einmal gemeinsam die Grundsatzerkärung, die Meister Po Kin Wah 1990 für die Ving Tsun Leung Athletic Association formulierte:

„Viel wichtiger (als Kampf- und Holzpuppentechniken) ist der Einsatz der Kraft. Damit meinen wir die Technik, wie man sich entspannt, die Kraft von sich ableitet, Kraft borgt, die Kraft des Gegners für den Gegenangriff verwendet und die Kraft des Gegners wahrnehmen kann.

Mit diesen Prinzipien – in Zusammenhag mit den passenden Methoden – verteidigt sich der Praktizierende und besiegt den Angreifer.

Sie bilden das sogenannte Konzept des Ving Tsun. Nur wenn man dieses Konzept meistert, kann man ein Niveau erreichen, wo man mit vier Unzen eine Tonne abwehren kann, wo eine samtweiche Berührung rohe Kraft besiegt, wo also Schwäche Stärke schlägt.

Damit wollen wir die Bedeutung von Körperkraft, die man durch hartes Training erlangt hat, keineswegs in Frage stellen. Kraft und Methode sind Partner. Sie ergänzen einander und das eine hängt von dem anderen ab.

Aber die Methode führt dabei und die Kraft folgt, Und im Ving Tsun ist die Methode zweifellos wichtiger als die Kraft.“

Weiter im maßgeblichen Text von 1990:

„Ving Tsun befindet sich in ständiger Evolution. Es hat sich über viele Länder verbreitet und sich unterschiedlich entwickelt. Wir haben gerade zwei gesunde Hauptströmungen im Ving Tsun diskutiert, aber es gibt andere Zweige, die die Methoden sehr verändert haben. Manche haben klar definierte Prinzipien und konnten sich dadurch treu bleiben. Aber viele haben alle Prinzipien vergessen. Sie beachten sie nicht und haben keine Richtlinien mehr.

Die Prinzipien des Ving Tsun sind nicht etwas, was heute keine Gültigkeit mehr hat. Wir müssen Ving Tsun aber auch nicht einfrieren wie es ist. Wir dürfen neue Theorien und kreative Ideen nicht ablehnen. Wir dürfen über neue Interpretationen und Anwendungen der Bewegungen der waffenlosen Formen, der Holzpuppen-, Langstock- und Doppelmesserform nachdenken. Solange das Neugefundene logisch, praktisch und wirksam ist und sich in der Praxis bewährt, soll man es nicht verwerfen, sondern begrüßen. Sinnvolle Erneuerungen können das Ving Tsun nur bereichern und ihm neue Impulse geben. …

Die Theorie des Ving Tsun darf aber nicht verändert werden. Sie ist die Essenz des Ving Tsun sich von ihr zu trennen, würde bedeuten, kein Ving Tsun mehr zu machen.“

Bei dieser maßgeblichen Bedeutung der Theorie bzw. der Prinzipien steht und fällt das Wing Tsun (wie immer man es schreibt) mit dem Unterrichtenden, seinem Wesen, seinem philosophischen Verständnis, seiner persönlichen Interpretation der taoistischen Prinzipien. Denn niemand unterrichtet WingTsun wie WingTsun ist, sondern sowie er selbst ist und WT versteht.

Formen und Techniken

Die Techniken in den Formen sind zweitrangig. Dennoch kommt unseres Wissens keine einzige authentische asiatische Kampfkunst wirklich ohne Formen und Techniken aus.

Formen sind das kodifizierte Wissen der alten Meister und ihre Hinterlassenschaft an ihre Nachfolger zu einer Zeit, als kaum einer schreiben und lesen konnte und es noch keine Videos gab.

Durch Filme und Magazine geprägt, erwartet der Anfänger der asiatischen Kampfkünste Formen und scheint sie auch zu brauchen, geben sie ihm doch einen großen Fundus an Beispielmaterial, mit dem er die Prinzipien langsam verstehen lernt.

Formen und „Techniken auf Vorrat“ dienen ihm als „Spielmaterial“ und er hat etwas Greifbares, was er mit nach Hause nehmen kann. Mit abstrakten Prinzipien kann der Anfänger noch nichts anfangen.

Wer als Fortgeschrittener und Lehrer aber immer noch nichts mit den WingTsun-Prinzipien anfangen kann, Anpassung und Nachgeben und Borgen der gegnerischen Kraft nicht begreift, der ist ein ewiger Anfänger und sollte lieber einen Stil betreiben, bei dem man stärker als der Angreifer sein muss, um sich verteidigen zu können!

Das EWTO-WingTsun folgt, was die Formen (Solo-Formen, Waffen-Formen und auch Partner-Formen) anbelangt, der Überlieferung durch Großmeister Leung Ting (geb. 1947), der der sog. „Closed-Door-Schüler“ von GM Yip Man war.

Formen enthalten Techniken als Beispiele für die Prinzipien

Die Formen werden in der EWTO originalgetreu gepflegt und unterrichtet. Darüber wacht der technische Direktor der EWTO, Dai-Sifu Schembri, 8. Grad. Die EWTO-Lehrer müssen sie bis ins Detail studieren. Denn die Idealbewegungen der Formen und Partnerformen sollen – wie in „inneren“ Stilen üblich – das Verständnis für die Prinzipien bewirken und als Beispiele für sie dienen.

Allerdings wenden wir in der EWTO unserem Verständnis nach nicht die Formen und die in ihnen als Beispiele enthaltenen Idealbewegungen an, sondern die Prinzipien selbst.

Die EWTO verlässt sich also nicht (wie andere von GM Yip Man abstimmende Stile) darauf. dass das Üben und Einschleifen dieser Formen und Idealtechniken automatisch die verheißene Selbstverteidigungsfähigkeit hervorbringt.

Aus Formen soll man lernen

Denn die Formen sind nach Ansicht von Prof. Kernspecht nur Beispiele und Übungen, die man nicht lernen und einschleifen, sondern aus denen man lernen soll!

Was soll man aus den Übungen und den in den Formen enthaltenen Idealbewegungen lernen? – Die Prinzipien des Nachgebens, Ausweichens und der Ausnutzung der gegnerischen Kraft zum Gegenschlag.

Darin unterscheidet sich die Auffassung der EWTO grundsätzlich vom traditionellen Yip-Man-Stil. Wir machen traditionelle Übungen nicht deshalb, „weil es schon immer so gemacht wurde“.

Wir haben es uns zum Vorsatz gemacht, alles radikal zu hinterfragen. Denn als Lehrer geht es um das Leben unserer Schüler, die sich darauf verlassen, dass wir ihnen das Sicherste und Effizienteste zum Überleben auf den Weg geben.

GM Keith R. Kernspecht, der Gründer der EWTO, hat was Kampfkünste und Selbstverteidigung anbelangt, eine Erfahrung von weit über fünfzig Jahren.

Er war wohl weltweit der zweite Nicht-Chinese, der den Yip-Man-Familien-Stil komplett meisterte. Darüber hinaus erhielt er schon im Jahre 2000 mit dem 10. Grad im WingTsun, den höchsten je erreichten Grad, den sein chinesischer Meister (Leung Ting) bislang als einziger beanspruchte. Und er ist weltweit der einzige Lehrer der chinesischen Leung Ting-Schule, der diese Auszeichnung tragen darf.

GM Kernspecht, der 1958 mit Kampfsport (Ringen!) begann, ist außerdem Meister und Schwarzgurt in zahlreichen Disziplinen (zusammengerechnet wären es wohl über 30 „Dan“-Grade), die er aber nicht (mehr) unterrichtet, seit er 1970 zum Wing Chun bzw. 1975 zum WingTsun Leung Ting-Stil (WT) fand.


Drei Voraussetzungen

sind nötig, um seinen eigenen und fremde Stile kritisch zu hinterfragen und ein effizientes Unterrichtsprogramm zur Selbstverteidigung zu schaffen:

1. Theoretische Durchdringung aller Aspekte von „Kämpfen“

2. praktische Kampferfahrung

3. große Praxis im Unterrichten der verschiedenen Personengruppen

Zur ersten Voraussetzung „Theorie“:

GM Kernspecht (geb. 1945) ist emeritierter Universitätsprofessor für Pädagogik im Kampfsport und für die Logik des Kämpfens (Combatologie).

Diesem Gebiet galten schon seine ersten Bücher „Wing Tsun Kung Fu“ und „WingTsun Leung Ting-Kung Fu“, sowie „Escrima“ und „Muai Thai“ (Autor Supastrapong) aus der Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die noch viele Jahre später als Nostalgie-Ausgaben aufgelegt wurden, nachdem er schon längst in seinem Unterricht von den damaligen Positionen abgerückt ist.

Eingeschränkt kann man ähnliches auch über seine folgenden Veröffentlichungen, insbesondere sein frühes Standardwerk „Vom Zweikampf“ von 1987 sagen, das zum ersten Mal auf die wichtigsten Aspekte des Zweikampfes einging und Laien und insbesondere Karate- oder anderen Budoka das ganz andere chinesische WingTsun näherbringen wollte. Dieses Buch stellte ein stark simplifiziertes Modell des damaligen WingTsun vor, das Kernspechts damaligem Verständnis und den aggressiv vorgetragenen praktischen Demonstrationen der Hongkong-chinesischen Gastlehrer entsprach. Statt auf dem originalen und kompletten großen Grundprinzip („Nimm auf, was kommt; verfolge nach Haus, was geht; ist der Weg frei, stoß vor“), orientierte es sich an dem aufgrund des chinesischen Unterrichts durch Kernspecht erkannten und formulierten (verkürzten und einseitigen) Angriffsprinzip, das mit „Stoß vor, wenn der Weg frei ist“ beginnt und bei dem alles andere sich aus dem Vorstoßen ergibt. Das war sehr trivial dargestellt und wurde und wird wohl auch daher verstanden und immer noch gerne kopiert und als eigene Erkenntnis dargestellt und sogar verkürzt, bis nur noch „Stoß vor“ und „Gib nach“ übrigbleiben. Für manche selbsternannten „Experten“ gibt es somit nur “Vorstoßen” und vom Gegner mit „größerer Kraft erzwungenes Nachgeben“.

Wie sie aber dann vom Nachgeben wieder zum Vorstoßen kommen wollen, vermögen uns diese schrecklichen Vereinfacherer nicht zu zeigen, wenn wir uns ihre Videos betrachten!

Prof. Kernspechts umfangreiches Werk „Kampflogik“, das aus drei bis vier Bänden á 450 bis 600 Seiten bestehen wird, von dem der Praxisband „Kampflogik3“ bereits in der 2. Auflage erschienen ist, soll Zeugnis ablegen vom Reichtum und der Tiefe des WingTsun als Inneres Kampfsystem.

Um der Wissenschaft einen festen Platz in der EWTO zu verschaffen, organisiert und führt Prof. Kernspecht mit englischen und bulgarischen Universitäten akademische Ausbildungen zum Bachelor und Master in „Theorie & Praxis der Kampfkünste“ und in „Theorie & Praxis des WingTsun“ durch. Über dreißig Absolventen haben inzwischen erfolgreich daran teilgenommen und drei von ihnen haben es schon zum Doktor geschafft.

Zur 2. Voraussetzung: „Praxis“:

Dr. Kernspecht hat aber nicht nur die höchste Auszeichnung im WT und hat das Gebiet theoretisch durchdrungen, er hat seine Erkenntnisse immer mit der Praxis verbunden und an ihr getestet, bevor er sie an seine Schüler weitergab.

Er war in den frühen 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts der erste, der damals Karate in der Bereitschaftspolizeiabteilung in Schleswig-Holstein einführte. Er diente während der (Unruhen der 60er und 70er Jahre) Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft als Fahrer und Personenschützer und gründete in den 90er Jahren eine internationale Organisation für Personenschützer, für die er u.a. mit Hilfe ehem. Elite-Polizeibeamte eine umfassende eigene Berufsausbildung ins Leben rief.

Wir sagten anfangs, dass Theorie (wissenschaftliche und kampfkunstspezifische) zusammen kommen muss mit der Kampf-Praxis.

Aber auch das reicht leider nicht, denn es geht nicht nur um die Praxis im Kämpfen, sondern auch um die Praxis im Unterrichten.

Zur 3. Voraussetzung: „Große Unterrichts-Praxis“

Das EWTO-Leadership-Programm

Die EWTO hat vor einigen Jahren ein für Kampfkünste einzigartiges Konzept zur Weiterbildung von Schulleitern und Ausbildern eingeführt, das von Dr. Oliver König maßgeblich entwickelt wurde. Mit dem Leadership-Programm bilden sich diese regelmäßig in den verschiedensten Bereichen von der Schulförderung bis zur Unterrichtsgestaltung, Psychologie, Anatomie usw. weiter. Die Programme umfassen bis zu sechs Schulungswochenenden (60 volle Stunden!) für einen Leadership-Grad, von denen man sich zur Zeit vier Grade erarbeiten kann. Dies hebt die Qualität der EWTO-Schulleiter auf ein Maß, das kein Mitbewerber in seinen Schulungen bieten kann. Die Schulleiter geben die für sie kostenfreien Ausbildungen an ihre Assistenten weiter. Auf diese Weise wurden schon Hunderte von EWTO-Ausbildern geschult.

Und wer kann auf mehr Unterrichts-Praxis zurückblicken als die EWTO, die in Europa (und den meisten anderen Erdteilen) nicht nur alle WingTsun-Lehrer, sondern auch fast alle Wing Chun- und Ving Tsun-Lehrer ausgebildet hat. Manche ehem. Schüler, die jetzt ihr eigenes „Ding“ machen, geben das nicht gerne zu und reden ihre Quelle lieber schlecht. Vielleicht denken manche auch nur, dass ihr alter Lehrer, in dem Jahr, als sie ihren eigenen Unterricht bei ihm abbrachen, auf seinem damaligen Entwicklungsstand stehengeblieben ist …

Aber die EWTO und ihre Lehrer haben sich nie auf ihren Lorbeeren ausgeruht, sondern ständig den Unterricht und die Organisation verbessert. Die EWTO hat die meisten Unterrichtsmittel („PakSao-Spiel“, „LatSao“ bzw. „NukSao“, „BlitzDefence“ herausgebracht, die von (EWTO-geschulten) Mitbewerbern oft unter anderem Namen kopiert und immer noch verbreitet werde, während die EWTO sie längst verworfen und durch Besseres ersetzt oder weiterentwickelt hat.

Die EWTO glaubt nicht, dass über WingTsun vor 200 Jahren schon das letzte Wort gesprochen wurde und es keine neuen, wissenschaftlichen Erkenntnisse und Entwicklungen geben kann. Wir glauben auch nicht, dass diese Impulse aus dem konservativen konfuzianischen Denken Asiens kommen können!

Qualitätskriterien

Wir sind bemüht, die Qualität durch echte und mit der angestrebten Graduierung im Schwierigkeitsgrad steigende Ausbilder/Lehrer-Prüfungen objektiv abzusichern. Wer die geforderten Fähigkeiten und Fertigkeiten nicht erbringt, muss weiter daran üben und hat Gelegenheit, die Prüfung zu wiederholen.

Dabei genügt es in der EWTO nicht, die Übungen (Solo- und Partnerformen usw.) auswendig vorzuführen. Wir wollen das Ergebnis, die Veränderung sehen, die das Üben bewirkt hat, nicht die Übungen.

Unterstützung und regelmäßige Information

Professionelle Unterstützung aller EWTO-Ausbilder ist gewährleistet durch unsere Heidelberger Zentrale sowie durch eigene EWTO-Niederlassungen in Form von Trainer-Akademien in Heidelberg, München, Zürich und Wien. Zusätzlich ist GM Kernspecht in Kiel erreichbar.

Betreuung und Information seit 1980 (?) durch unser Magazin WingTsun-Welt, das als On-line-Ausgabe (www.wingtsunwelt.com) und einmal im Jahr als Print-Ausgabe erscheint.

Darüber hinaus motiviert GM_Kernspecht die Mitglieder und Ausbilder täglich per Twitter.

50.000 Aktive

Allein in den deutschsprachigen Ländern hat die EWTO über 50.000 „echte“ Aktive und damit mehr als jemals zuvor und mehr als jeder andere Verband!


Was muss man unbedingt können, um sich zu verteidigen?

Wir sagten oben, dass die EWTO – anders als die traditionellen Schulen – in den überlieferten Solo-, Waffen- und Partner-Formen nicht das Allheilmittel sieht, das in einer Verteidigungssituation das Problem löst.

Diese Erkenntnis entstammt unserer wissenschaftlichen Durchdringung des Gegenstandes „Kampf“ und unseren in über 50 Kampfkunstjahren gemachten und reflektierten Erfahrungen.

Wir erkannten übrigens auch, dass der ChiSao-Unterricht in der Regel nicht optimal durchgeführt wird, sondern dass sich das Ziel (Sensitivität, ganzkörperlicher Tastsinn usw.) durch neue, wissenschaftliche Programme viel besser und sehr viel schneller erreichen lässt.

Ähnliches gilt für den LatSao-Unterricht, oder entweder gar nicht, oder rat- und planlos durchgeführt wird. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Wenn man über WingTsun als Mittel der Selbstverteidigung (und nicht als zweckfreie Kunst um ihrer selbst Willen) nachdenken will, muss man erst einmal alles zur Seite legen, bis auf das, dessen man sich völlig sicher sein kann.

Problemstellung:

Wie bereitet man sich auf einen Kampf mit einem Unbekannten vor, von dem man nur weiß, dass er wahrscheinlich größer, schwerer, stärker und nicht unbedingt langsamer ist als man selbst? Und falls man dem „schwächeren Geschlecht“ angehört, wie auf einen Kampf mit einem Mann?

Dies ist das primäre Problem, das unser EWTO-WingTsun (WT!) lösen soll:

Wie überlebt man so eine Auseinandersetzung?

Schon Darwin („Survival of the Fittest“) setzte auf Anpassung als bestes Mittel des Überlebens.

Und auch uns muss Anpassung als erstes und wichtigstes Prinzip des Kämpfens mit einem Stärkeren gelten!

Wir müssen uns also dem Angriff und dem Angreifer anpassen.

Dazu sind Gewandtheit und Geschmeidigkeit nötig.

Im WingTsun sagt der erste Satz der Erfolgsformel aus, dass man sich dem Kommenden anpassen soll:

„Nimm auf, was kommt“. (chin.: „loy – lau“, d.h. „kommen – bleiben“)

Woher kann man aber wissen, was vom Gegner kommt?

Der Gegner auf der Straße wird nicht so angreifen, wie unser Partner in der WingTsun-Schule, der dieselben Formen und Partnerübungen wie wir einstudiert hat und sie für die einzigen Möglichkeiten hält, jemand anzugreifen.

Pessimisten glauben deshalb, dass der Kampf ein wildes Durcheinander, ein Chaos ist, auf das man sich gar nicht vorbereiten kann. Sie erklären Selbstverteidigungs-Unterricht deshalb als unzweckmäßig und empfehlen als System Smith & Wesson …

Optimisten leben im fast religiösen Vertrauen, dass im Leben alles geregelt und geordnet abläuft und dass ihnen die paar hundert Antworten, die sie sich auswendig zurechtgelegt haben, rechtzeitig einfallen, wenn es darauf ankommt. Aber ihnen wird es gehen wie dem, der sich zu Hause witzige Antworten einpaukt, damit er bei seinem ersten Date schlagfertig erscheint. Die Pointe, die gepasst hätte, fällt ihm erst zu Hause bzw. beim Aufwachen im Krankenhaus ein.

Wie wäre es denn, wenn der Kampf gar kein komplettes Chaos wäre, sondern eine gewisse Ordnung (Ritual, Reihenfolge, Muster) hätte, an der man sich orientieren kann?

Der Kampf folgt einer gewissen Ordnung

Prof. Kernspecht hat solche Reihenfolgen (die 5 Eskalationsphasen, siehe unten)

und

• optische Muster (die 4 BlitzDefence-Positionen des Angreifers)

und

• taktil-kinästhetische Muster (die 2 Reaktionspaare Bong : Tan, Djam : Kao)

herausgearbeitet

und dafür gezielt Übungsprogramme entwickelt.

Die fünf Eskalationsphasen des Macho-Ritualkampfes

Prof. Kernspecht hat sie erforscht und „eicht“ seine Schüler auf:

1. Die Kunst des richtigen Guckens

2. Die richtige Antwort auf die Frage „Was guckst du so, willste was in die Fresse?“

3. Angepackt oder geschubst werden

4. Den wilden Heumacher mit der dominanten Faust zum Kopf

5. Fußtritte zum Kopf, falls sie zu Boden gehen.

Ein Selbstverteidigungsunterricht muss sich an diesen fünf Angriffsphasen orientieren, statt blauäugig und weltfremd die Schüler auf Angriffe vorzubereiten, die nur im eigenen Stil vorkommen (z.B. vorwiegend gegen enge Fauststöße mit vertikaler Faust und tiefem Ellenbogen).

Danach muss geübt werden, sich gegen mehrere Angreifer zu verteidigen und als letztes gegen Überraschungsangriffe.

Nichts als gegeben voraussetzen!

Statt sich blind darauf zu verlassen, dass die chinesischen Meister vor ihm schon alles bedacht hatten, fing Prof. Kernspecht noch einmal von vorne an, das heißt mit den überlieferten und über 2.500 Jahre alten Prinzipien (den ersten Dingen) des WingTsun. Er war übrigens der erste weltweit, der den Ursprung der WT-Prinzipien in 2.500 Jahre alten Schriften fand.

In GM Kernspechts eigener Übertragung lauten diese WT-Prinzipien, die er

„die WT-Erfolgsformel“ nennt:

Kommst Du zu mir : begrüß‘ ich Dich

Gehst Du nach Haus : begleit‘ ich Dich

Verlier‘ ich Dich : dann treff‘ ich Dich!

Er untersuchte diese kooperative Kampfstrategie und stellte fest, dass sie – wie die im Grunde ähnliche Tit-for-Tat Strategie – (theoretisch!) von keiner anderen Kampfstrategie besiegt werden kann.

Daraufhin überprüfte er die überlieferten Unterprinzipien (z.B. Mottos) und erkannte, dass das erkannte funktionale Konzept des WingTsun ohne Fehler ist und seine Vorgehensweisen wie folgt eingeteilt werden können:

Antizipation der Angriffsart durch visuelle Extrapolation
Adaptation durch Anhaften am Arm oder Körper des Gegners
Evasion, indem man seinem eigenen Arm aus dem Weg geht
Separation vom Arm des Angreifers durch minimale Manipulation bzw. Parallelisierung
Elimination (Auschaltung des Angreifers durch kraftborgende Kollision, d.h. der Angreifer fällt uns in die Faust
Diesen Vorgehensweisen hat die EWTO ein maßgeschneidertes Unterrichtsprogamm zur Seite gestellt, das sinnigerweise auf –Tsun endet:

• AnticipaTsun & ExtrapolaTsun

• AdaptaTsun & AdheTsun

• EvaTsun

• ManipilaTsun

• SuggesTsun

• SeparaTsun & ColliTsun

Damit zusammen gehören die Programme zum

• Diagonalisieren (DiagonalisaTsun) zum Binden der Arme des anderen

und

• Parallelisieren (ParallelisaTsun) zum Treffen des anderen

sowohl der Gliedmaßen als auch unbedingt des Gesamtkörpers.

Zwei von GM Kernspecht erkannte Prinzipien, die besonders für das LatSao von allerhöchster Wichtigkeit sind.

Fehler, die den Erfolg verzögern oder unmöglich machen

Grundsätzlich stellte GM Kernspecht aber gravierende Fehler fest, was die traditionellen Unterrichtsmittel, ihren Einsatz, ihre Anordnung und ihre Bedeutung betrifft.

So erkannte er als einen der Hauptgründe dafür, dass es im WingTsun nur wenige Spitzenkönner gibt, darin, dass „das Unterrichtssystem auf dem Kopf steht“.

Damit meint er, dass der traditionelle Unterrichtsaufbau nicht – wie es richtig wäre – mit der Entwicklung der Gewandtheit des Rumpfes beginnt und mit den unspezifischen Fähigkeiten, sondern mit der Geschicklichkeit der Arme, den sog. „Fertigkeiten“ bzw. „Techniken“.

Entsprechend fand Kernspecht heraus, dass die Ausbildung nicht bei den „Techniken“ beginnen darf, die im Kampf die geringste Rolle spielen und mehr die Kirsche auf der Torte darstellen.

Er arbeitete statt dessen die essentiellen Fähigkeiten heraus, über die ein WT-Kämpfer verfügen muss:


Die Sieben Fähigkeiten

1. Aufmerksamkeit, Achtsamkeit

2. Gewandtheit

3. Balance

4. Einheit des gesamten Körpers

5. Die Staffel der Sinne

6. Timing / Distanzsinn

7. Kampfgeist, Resilienz

Diese sieben unspezifischen Fähigkeiten gilt es mit Übungen gezielt zu entwickeln, wobei die Fähigkeiten sich zum Teil gegenseitig bedingen und fördern, so dass weniger Übungen dazu nötig sind, als die alten Chinesen offenbar für möglich hielten. Durch das gezielte Ansteuern der Sieben Fähigkeiten ist der Lernerfolg nicht wie bisher nur den wenigen Talentierten möglich. Das Fundament ist fertig, so dass man auf die Torte der Rumpfgewandtheit die Kirsche der Handfertigkeiten legen und damit das Werk krönen kann.

Damit hat GM Kernspecht den WingTsun-Unterricht wieder auf die Füße gestellt, so dass nicht nur die wenigen Rumpfbewegungstalente es im WT zu etwas bringen.

Weitere Erkenntnisse von GM Kernspecht, für die er Übungsprogramme entwickelte:

• Das Erkennen des Bereitschaftspotentials

beim Angreifer, das diesen verrät und wie man daraus seinen Nutzen zieht und dem Gegenüber zuvorkommt („Greif den Angreifer an!“).

• Blitzschnelles Reagieren auf optische & taktil-kinästhetische Muster

• Die Notwendigkeit, den Kopf und den Körper immer hinter den Armen zu haben, leichten Kontakt mit dem Gegner zu bekommen, um auf seine Aktionen unmittelbar reagieren zu können und den eigenen Armen auszuweichen, statt die des anderen abzuwehren.

• Rückwärtsplanung,

um die Chancen bei Verteidigung & Angriff zu erhöhen und jede Phase üben zu können, denn lt. GM Kernspecht „wird WT vorwärts gemacht, aber nur rückwärts verstanden.“

• Ausnutzen der in Jahrmillionen entwickelten Schreckreaktionen.

Die Natur ist klüger als der klügste Selbstverteidigungsstil.

• Reduktion der Komplexität durch anfängliche Reduktion der Distanz und Arbeiten „Körper-an-Körper“, um eine gewisse Ordnung in das scheinbare Chaos des Kampfes zu bringen oder sie dort zu erkennen.

• Eine WT-spezifische Timing-Schulung,

die vorher nicht einmal angedacht war

• einzigartige Gleichgewichtsschulung,

die nicht in erster Linie aus Wenden oder Zurückgehen und keineswegs auf Widerstandleisten beruht.

Wer nicht zu Boden gehen muss, dem kann man auch nicht den Kopf eintreten!

• Entwicklung eines ganzkörperlichen Tastsinnes,

statt Konzentrieren auf die Rezeptoren der Unterarme bei absichtlich steifem Restkörper und angespannten Schulterblättern zwecks Übertragung der gegnerischen Kraft auf die Füße zur vorgeplanten Wendung.

In Zusammenhang damit steht:

• das Kernspecht’sche Gestängemodell statt unsinniger und pingeliger Reaktionszeitmessungen.

Aus der Idee des Gestängemodells, das er schon in seinem Buch „Vom Zweikampf“, 16. Auflage von 2009 vorstellte, entwickelte GM Kernspecht sein

• Tastsinn-Programm für die Mittelstufe: „ReakTsun“

(24 einfache Übungen)

und das

• Tastsinn-Programm für die Oberstufe: „Die 4 Großen Routinen“

die kein Auswendiglernen erfordern und von denen nur 4-5 Bewegungen als Stationen festgelegt sind und der Rest improvisiert wird.

• Entwicklung von Übungsprogrammen für ein 360 Grad WingTsun (geschützt als Markenzeichen WT360R).

Dringend nötig bei Überfällen und wenn man von mehreren Gegnern eingekreist ist, die man nicht nacheinander ausschalten kann.

• Ein erheblich verbessertes Anti-Bodenkampf-Programm,

das nicht auf unsinniges Mit-Ringen beruht, wie es allerorts geschieht, sondern von der MMA-erfahrenen EWTO-Sparte „Combat-WingTsun“ ausgearbeitet wurde, die sich dabei als Vorgabe von den WT-Prinzipien leiten ließ. Traditionell gibt es im WingTsun aller Stilrichtungen nämlich keinen Bodenkampf.

• ein eigenes Freikampf-Übungsprogramm /WT-Hand- und Fußboxen)

das weder aus primitiven (weil ungetimten!) Kettenfauststoß-Salven der 1970er und 1980er Jahre besteht, noch aus „fummeligen“ ChiSao-„Techniken“, mit denen man den Gegner sperren und behindern und jeden Angriff zu verhindern will, statt ihn als Chance wahrzunehmen und auszubeuten.

• Das Diagonalisieren zum Verteidigen und das Parallelisieren zum Angreifen

• Manipulationen (ManupulaTsun) und Suggestionen (SuggesTsun),

mit denen man die biomechanischen Reaktionen des gegnerischen Körpers (konditionierte und unbewusste Reflexe) für sich ausnutzen und die Psyche des Gegners beeinflussen kann.

Anpassung an die veränderte Gefahrenlage

Viele dieser neugeschaffenen Programme wurden deshalb nötig, weil

traditionelles Wing Tsun (in welcher Schreibweise auch immer) nicht auf den im Westen bekannten Macho-Ritualkampf („Was guckst du so blöde“) abgestimmt ist, denn die Chinesen kultivierten einen anderen Ritualkampf; und weil traditionelles Wing Tsun jeder Ausrichtung nicht mehr zeitgemäß ist, weil
sich die Gefahrenlage auf der Straße ohnehin gravierend verändert hat.

In seiner traditionellen Form kann Wing Tsun/Wing Chun/Ving Tsun in der heutigen Zeit nicht mehr eins zu eins auf der Straße umgesetzt werden, denn es übt nur die Verteidigung gegen einen (1) Angreifer, der auch WingTsun macht und von vorne kommt.

Für die veränderte Gefahrenlage möchten wir an dieser Stelle nur vier Beispiele bringen, und diese auch nur aus dem Typ von Kampf, dem GM Kernspecht den Namen „Ritualkampf“ (Territorialkampf) gab:

1. Die immer gegenwärtige Gefahr: das Messer

Heutzutage muss man immer damit rechnen, dass Waffen, besonders Messer, vom Angreifer ins Spiel gebracht werden. Im Halbdunkel ist ein Messer, selbst wenn es nicht verborgen gehalten wird, oft nicht zu erkennen. So ein Messer macht nicht nur viel größere Präzision beim Vermeiden des Treffers erforderlich, es verlängert auch die Reichweite des angreifenden Armes, und zwar so sehr, dass eine „Technik“, die genügen würde, einem Fauststoß zu entgehen, bei gleicher Körperhaltung zum möglicherweise tödlichen Messerstich führen würde.

In der „guten alten Zeit“, das heißt, bis zu den 1980er Jahren, waren Ritualkämpfe prinzipiell faire Austragungen, wo Messer nichts zu suchen hatten. Das hat sich jetzt irreversibel geändert.

Konsequenz: Da wir Messer beim Gegenüber nicht wirklich ausschließen können, müssen wir jeden Angriff so behandeln, als würde er mit einem Messer erfolgen: mit größter Präzision und mit mehr Ganzkörperbeteiligung. Die pädagogische Anfängerregel im WingTsun – erst Hand, dann Körper – wäre bei einem Messerangriff reiner Selbstmord. Hier muss die überlappende Staffel der Sinne den Angriff zunächst optisch extrapolierend einschätzen. Dabei entfernt sich der angegriffene Körperteil schon in vorauseilendem Gehorsam. Dann prüft der nahezu unbestechliche ganzkörperliche Tastsinn als letzte Instanz, ob noch Nachkorrekturen nötig sind.

2. Die immer gegenwärtige Gefahr: Mittäter

Früher hielt man sich beim Ritualkampf an den Ehrencodex, dass sich keiner einmischt. Heute sind die alten Rituale vergessen. Man muss auch beim Ritualkampf immer damit rechnen, dass plötzlich ein Freund des Gegenübers uns von der Seite oder gar von hinten angreift.

Konsequenz: Übertriebenes Wenden, das vielleicht gegenüber nur einem Angreifer folgenlos bliebe, könnte dazu führen, dass wir einem zweiten Angreifer, der von der Seite kommt, ungeschützt den Rücken zu wenden.

Wir müssen also weg vom exzessiven Wenden (der traditionellen Grund- und Mittelstufe) und hin zum minimalen Zurücklehnen und Aushöhlen, wie es die fortgeschrittene 3. Form lehrt.

(Wir müssen immer damit rechnen, dass sich weitere Angreifer einmischen und – dass zum Kopf getreten wird, wenn man am Boden ist, wo man freiwillig nicht hingehen sollte!)

3. Die Erweiterung des Ritualkampfes um die 5. Phase:

Fußtritte zum Kopf des Liegenden

Vor den 1980er Jahren wäre es ein „feiger“ Tabubruch gewesen, mit mehreren auf einen Einzelnen loszugehen. Das gleiche galt für das Treten, wenn jemand am Boden lag. Heute erscheint es beinahe normal, denn in Action-Filmen und im Fernsehen erleben wir es jeden Monat zigmal hautnah und lebensecht und auf den Straßen wird es nachgemacht.

Konsequenz: Wir müssen frühzeitig unser Gleichgewicht schulen, um nicht zu fallen. Zusätzlich ist Schützen des Kopfes und der Rippen vor Tritten zu üben und schnelles Aufstehen.

4. Traditionelle x-beinige Vorkampfstellung mit „zeigenden Händen“

zwischen den Armen des Gegners

Von dieser traditionellen Stellung müssen wir – aus Verantwortungsgefühl – abraten:

1. Streng genommen widerspricht es dem Geiste des Taoismus und der chinesischen Kriegsstrategie, vor dem Kampf überhaupt eine für den anderen erkennbare und aufschlussreiche Form zu bieten, an der er sich orientieren kann.

2. Die im traditionellen WingTsun grundsätzlich vorgesehene und ausschließlich unterrichtete Armposition, die sog. Pointing Fingers (Zeigenden Finger) machen im besten Falle nur gegen einen einzigen Angreifer, nicht aber gegen mehrere, die um uns herumstehen, Sinn. Tatsächlich müssen die Arme des WingTsun-Anwenders immer in Bewegung sein.

3. Zwischen den Armen des Gegenübers ist der gefährlichste Ort. Warum sieht man es trotzdem? Aufgrund eines falschen Verständnisses der Konstruktion der Holzpuppe.

Nur in der Flanke des Aggressors, in der sogenannten Außenposition ist man auf der „sicheren Seite“.

Konsequenz: In unserem realistischen WT-Selbstverteidigungsprogramm, so wie wir es seit Jahrzehnten erfolgreich persönlich oder durch Schüler von uns in den diversen polizeilichen und militärischen Eliteeinheiten (SEK, GSG9, FBI, RAID, NOCS, KSK, die Löwen von San Marco, GIS) oft unter dem Namen „BlitzDefence“ eingeführt haben, gehen wir grundsätzlich von sicheren Außenpositionen aus.

Außerdem unterrichten wir unsere Schüler, ihren stärksten Arm vom Kontakt mit dem Aggressor freizuhalten, damit sie ihn jederzeit einsetzen können, ohne dass der andere ihn behindern kann.

Dadurch ergeben sich für den Anwender des speziellen BlitzDefence-Programmes des WT vier essentielle Schutzpositionen in Verhältnis zur Position des Gegners, aus denen unbedingt geübt werden muss.

Wenn man es mit mehreren Angreifern zu tun hat, die uns umstellen, kommen noch weitere zu trainierende Positionen dazu.

Da wir auch jederzeit gegen potentielle Fuß- oder Knieangriffe geschützt sein müssen, korrespondiert unsere jeweilige Beinstellung nicht nur mit unserer Armhaltung, sondern auch mit der Beinstellung des Aggressors.


Merkmale techniken-orientierter äußerer Wing-Tsun-Stilisten

1. Sie wollen – koste es, was es wolle! – fertige Techniken aus den Formen zur Anwendung bringen.

2. Große Anspannung, zuviel Vorwärtsenergie und kriegerischer Gesichtsausdruck

3. Sie fürchten sich davor, locker zu kämpfen, aus Angst, ihre „Techniken“ könnten „eingedrückt“ werden.

4. Feste Techniken & Armpositionen, die in einem bestimmten Winkel zum Körper einrasten.

5. Sie wollen sich vom Druck des Gegners in bestimmte Technikpositionen und Körperhaltungen zwingen lassen, womit sie sich berechen- und manipulierbar machen.

6. Sie fixieren ihr Schulterblatt und halten ihren Rumpf angespannt, weil sie die aufgenommene Kraft von den starren Armen auf die Füße übertragen wollen, um sie für die obligatorische Wendung der Cham-Kiu-Form nutzbar zu machen.

7. Sie benötigen einen starken, anhaltenden gegnerischen Druck, damit ihre vorgeplanten Verteidigungsbewegungen ausgelöst werden.

8. Das führt dazu, dass sie bei schon bestehendem engen Kontakt zum Gegner nicht mehr reagieren können.

9. Sie geben nur dem „viel stärkeren“ Angriffsdruck nach und glauben trotzdem, dass sie WingTsun machen.

10. Sie geben nicht mit dem ganzen Körper, sondern nur mit dem Arm zu Bong, Tan & Co. nach.

11. Unter „Borgen der gegnerischen Kraft“ verstehen sie nur die Verformung zu Bong & Co und das Vorschnellen der befreiten Hand.

12. In Wahrheit glauben sie nicht an die Möglichkeit der Ausnutzung der gegnerischen Energie.

13. Sie haben vom ganzen WingTsun nur GM Kernspechts altes Keilmodell aus den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts verstanden. Aber das ist nur ein Aspekt des WingTsun.

14. Sie haben die „Rolle der Augen“ im Kampf völlig aus den Augen verloren und reagieren erst auf die Kontaktaufnahme.

15. Sie kennen nur eine Art zu „kleben“.

16. Sie verstehen unter „Folgen“ nur Hinterherlaufen „mit Schritten“.

17. Sie glauben, dass das Steife – das in seiner Form schon Vollendete – sich dem Entgegenkommenden anpassen kann.

18. Sie kennen nur Form-Techniken, die sie „an den Mann bringen“ wollen, die aber nie wirklich passen und deshalb mit Kraft und Schnelligkeit passend gemacht werden müssen. Dadurch bleibt die mühelose Effizienz auf der Strecke.

19. Sie holen die Kraft für ihre Schlag- und Stoßtechniken aus dem Arm statt aus dem Restkörper (besonders Beine und Rumpf).

20. In jedem Augenblick ist ihnen die Absicht, ihr Bemühen, etwas Bestimmtes zu tun, ihr Plan anzusehen. Ihre Bewegungen wirken abgehackt und stümperhaft (wie Dim Dim Ching bei den Formen), ihnen fehlt das Flüssige und Spontane.

Aus der Position des inneren WingTsun des Fortgeschrittenen auf dem Weg zum Meister kann man diese 20 Merkmale eines Äußeren Wing Tsun (Ving Tsun, Wing Chun) als Fehler bezeichnen.

Die EWTO sieht sich als einen Inneren WT-Stil. Aber auch wir müssen zuerst das Äußere unterrichten, damit der Anfänger und Schülergrad Spiel- und Beispielmaterial hat, mit dem er sich die Prinzipien erarbeiten kann.

Somit handelt es sich, zumindest was die Grundstufe der Schüler angeht, nicht notwendigerweise um „echte Fehler“, sondern um z.T. nötige Lernschritte, die in unteren Programmen z.T. noch unverzichtbar sind, aber in höheren Programmen abgelöst und ganz überwunden werden müssen.

Das EWTO-Team arbeitet aber mit GM Kernspecht daran, diese verwirrende Situation abzuschwächen, indem Möglichkeiten gefunden werden, zwischen dem Anfänger-Programm, das techniken-orientiert sein muss, und den folgenden Programmen, die es immer weniger sein dürfen, zu vermitteln.

Problem erkannt – Problem bald gebannt!


DAS PHILOSOPHISCHE & PRAKTISCHE GRUNDPRINZIP DES WINGTSUN

besteht nur aus 8 chin. Zeichen und 3 Sätzen:

„Loy Lau - Hoy Sung – Lat-Sao Jik Chung“

Loy : Lau = Kommen : Bleiben

Hoi : Sung = Gehen: Folgen

Lat-Sao : Jik-Chung = Arm frei : Vorstoßen

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3 Sätze:

1. kommen : bleiben

2. gehen : folgen

3. Arm frei : vorstoßen

————————————————————————————————————————————————————————————————————

In einem Satz:

1. Was kommt, an dem bleib dran!

2. Was zurückgeht, das begleite nach Haus!

3. Ist der Weg frei, hat dein Arm keinen Kontakt (mehr), stoß vor!

————————————————————————————————————————————————————————————————————

Da jedes Zeichen im Chinesischen verschiedene Bedeutungen hat,

kann man es verschieden interpretieren,

z.B. beim 1. Satz,

dem PRINZIP DER ANPASSUNG, ADAPTATION

1. kommen : bleiben

Was kommt, das stoppe! (Ganz hartes WC, VT) EXOTERISCH, External

Was kommt, an dem bleibe kleben! (Hart-weiches WT) MESOTERISCH

Was kommt, nimm auf! (Weichstes WT) ESOTERISCH, internal

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PRINZIP DES NACHSETZENS

2. gehen : folgen

Was geht, das begleite nach Haus!

oder

Was zurückgezogen wird, dem setze nach!

————————————————————————————————————————————————————————————————————

PRINZIP DES ANGREIFENS

3. Arm frei : vorstoßen

Kein Kontakt (mehr), stoß vor!

oder

Kein gegnerischer Arm da, greif an!

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Man könnte das Ganze auch als FORMEL ausdrücken,

mit Hilfe von „wenn“ und „dann“:

1. Wenn was kommt, nimm es auf, pass dich ihm an!

2. Wenn was zurück geht, verfolge es!

3. Wenn du den Kontakt verloren hast (wenn nichts im Weg ist), greif an.

————————————————————————————————————————————————————————————————————

In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, also vor fast 40 Jahren

betonte ich diese Reihenfolge mit 4 Sätzen, die mir damals logischer erschien:

1. Wenn der Weg frei ist, stoß vor!

(Denn Angriff ist ja die beste Verteidigung …)

daraus folgte logisch:

2. Wenn der Weg NICHT frei ist, bleib kleben!

Nun musste ich vom Kleben zum Nachgeben kommen und schob den zweiten Kraftsatz hier ein:

3. Ist die Kraft des Gegners größer*, gib nach!

Tatsächlich ist das Nachgeben, und zwar JEDER Kraft, schon im Prinzip des sich Anpassens („Nimm auf, was kommt“) beinhaltet.

4. Zieht der Gegner zurück, folge!

————————————————————————————————————————————————————————————————————

Wir können allerdings festhalten, dass das WingTsun zwei Seiten hat:

1. Die AGGRESSIVE, PRÄVENTIVE,

die das Grundprinzip von rechts nach links liest und mit

„Weg frei, stoß vor!“

beginnt.

Und die defensivere, konternde,

die in der ORIGINAL-Reihenfolge beginnt, mit

„Nimm auf, was kommt!“

Merke:

Der Anfänger sollte, um eine Chance zu haben, immer ANFANGEN mit dem überraschenden Angriff.

————————————————————————————————————————————————————————————————————

Heutzutage gibt es Ignoranten, die das GRUNDPRINZIP auf nur 2 Sätze reduziert haben und glauben, dass es so funktioniert:

1. Stoß vor!

2. Gib nach!

Wie aber auf Nachgeben direkt das erneute Vorstoßen funktionieren soll, das können ihre Videos mir nicht zeigen.

Dazwischen fehlt nämlich der Übergang zwischen Angriff und Nachgeben!

————————————————————————————————————————————————————————————————————

Kommst Du zu mir, begrüß ich Dich

Gehst Du nach Haus, begleit ich Dich

Verlässt Du mich, dann treff’ ich Dich!”

http://www.wingtsunwelt.com/unterschiede-unseres-wingtsun
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4. september 2012

Liebe Schüler…

heute werden wir in der WingTsun Schule Bad Honnef ein paar Übungen in Bezug auf die Trittabwehr auf dem Boden machen. Was ist zu tun wenn ich im ersten Moment vielleicht geschlafen habe und durch die Handlung des Angreifers zu Boden gebracht werde. Auch hier gibt es im WingTsun entsprechende Mittel, die wir durchgehen werden….

In diesem Sinne bis gleich….

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Editorial
01.07.2012
Ritualkampf-Training ist die Basis – nicht nur für Männer
Der Macho-Ritualkampf ist der wahrscheinlichste Zweikampf, in den man(n) verwickelt werden kann. Selbst ein älterer Herr, der sich schon längst jenseits von gut und böse wähnt, lässt sich dazu hinreißen.
Dadurch gewinnen unsere ersten drei proaktiven BlitzDefence-Unterrichtsprogramme, die ich speziell auf diese Situation maßgeschneidert habe, allergrößte Bedeutung.

Von diesen Methoden, auf Muster visuell zu reagieren, so dass Wahrnehmen und Den-Angreifer-Angreifen eins sind, profitiert aber auch eine Frau, wenngleich sie mit dem typischen männlichen Ritualkampf nicht konfrontiert wird (wohl aber mit dem neuen weiblichen*). Und zwar in zweierlei Hinsucht:
1. Psychologisch/innerlich

„Man“ oder „frau“ gewinnt Selbstvertrauen durch das Macho-Rollenspiel, insbesondere durch das Einnehmen dominanter Stellungen und raumergreifender Gestik und das Einsetzen der eigenen Stimme.
2. Von der Technik – insbesondere Ausrichtung – an sich

Die Kampflogik erfordert es, dass wir unser feindseliges Gegenüber von seiner Flanke oder besser noch von hinten angreifen. Auch ein Raubtier folgt dieser Strategie, indem es seine Beute zur Flucht bewegt.
Unser Kontrahent hält uns für sein Opfer. Ja, er hat uns dafür auserkoren. Aber wir drehen den Spieß um: Wir werden nun zum Raubtier und greifen den Angreifer an!

Grundsätzlich versuchen wir von Anfang an, die sichere Außenposition einzunehmen; denn wer außen vom anderen ist, ist auf der sicheren Seite!
„Außen“ meint hier: außerhalb von einem oder beiden seiner Arme.
Außerhalb von beiden seiner Arme bedeutet, ihn frontal in die Zange zu nehmen. Das heißt zwar, buchstäblich die Oberhand zu haben, dennoch ist das Positionieren in der Flanke zu bevorzugen. Richtiges Positionieren – und zwar durch gestikulierende Körpersprache getarntes – verhilft uns dazu.

Das frontale Stehen zwischen den Armen des Kontrahenten und damit im „Korridor des Todes“** ist der größtmögliche Fehler und beruht auf einem weitverbreiteten Missverständnis der Auslegung der ersten Bewegung der Holzpuppenform und der Bedeutung der Holzpuppe überhaupt.

Wir können aber auch noch während des interagierenden Kampfgeschehens in die Flanke des anderen kommen, falls es uns nicht gelang, die Bedrohung mit einem der vier „Blitze“ proaktiv und endgültig zu beseitigen: Wenn einer seiner Arme im Begriffe ist (Timing!), seine „vertikale Zentrallinie“ zu überschreiten – und dies passiert fast regelmäßig bei Abwehren und Versuchen, uns zu greifen, mit der Faust zu treffen – oder allgemein, wenn er Anstalten macht, seine Arme irgendwie zu kreuzen, bietet sich uns die Gelegenheit (Kairos!), in die sichere und überlegene Außenposition zu gelangen und den „Korridor des Todes“ zu verlassen.
Dieses erwünschte gegnerische Verhalten ist leicht zu provozieren (Provokation!).

Das Konzept, auf die vier grundsätzlichen Positionen des Kontrahenten zu reagieren und durch eine Art „Jeet Kuen“ durch unsere eigene Ausrichtung Ordnung in das scheinbare Chaos zu bringen, durchzieht unser gesamtes WT.

Auch später beim Üben des Anti-Überfallprogramms muss Wahrnehmen und Sichbewegen eins sein.

http://www.wingtsunwelt.com/editorial/ritualkampf-training-ist-die-basis—nicht-nur-fuer-maenner
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WingTsun und SensoryAwareness
Die Arbeit meiner Lehrerin Charlotte Selver (1901-2003) ist im Laufe der Zeit in die verschiedensten Lebensbereiche eingeflossen: in Therapieformen, in die Kunst, in soziale Projekte, in die Gesundheitsvorsorge, den Sport, die Bildung und durch mich nun auch ins WT. Von dem Tag an, als ich 1991 mit WT begann, war eigentlich klar, dass es mich mein Leben lang begleiten würde. Und als ich 1996 zum ersten Mal Charlotte Selver gegenüberstand, passierte das Gleiche.
Vor einigen Tagen habe ich das Buch „Rock Your Life“ gelesen. Der Gründer und Gitarrist der Scorpions erzählt darin von seinem Leben. Das müsst ihr einmal lesen! Irgendwie geht es doch jedem von uns so. Wir wollen ein erfülltes Leben leben.

In Hockenheim hatten wir sehr erfüllte Tage. Wir haben uns bewegt, wir haben gelacht, wir haben miteinander interessanten Austausch gehabt und das EWTO-Team hat etwas gezeigt, was uns helfen kann, unser Leben mehr zur Verfügung zu haben. Jeder hat etwas entdeckt: über sich, über seine Mitmenschen und über unser Miteinander. Viele von uns haben Kinder und sind aktiv für eine gesunde Zukunft. Die EWTO ist genau da, wo wir uns alle befinden: VOLL IM LEBEN.
Oft genug stand ich staunend in Hockenheim, als ich diese riesige Gruppe von Teilnehmern sah. Schon bestehende Freundschaften wurden vertieft und neue Freundschaften begonnen und ich gab – wie auch in den vergangenen drei Jahren – einen praktischen Einführungsabend in „Bewusstes Spüren“.
Sehr gefreut habe ich mich, so viele Teilnehmer zu sehen, die schon öfters mit mir arbeiteten, und obwohl wir zu einem SensoryAwareness-Wochenende vergleichsweise nur wenig Zeit und begrenzte Möglichkeiten hatten, ist doch vieles durchgesickert von dem, an dem wir arbeiten.

Wer meine Angebote wirklich ausprobierte, erfuhr Veränderung und verließ erfrischt den Raum. Hier wird klar, was einem klar werden kann: Probieren erfrischt. Einfache Formel.
Machen verbraucht und Geschehenlassen erneuert. SensoryAwareness. WingTsun.

Meine Kurse in der EWTO gehen nach der Sommerpause weiter und in Hockenheim kam die Idee auf, vielleicht zusätzlich eine „SensoryAwareness-Woche“ ins Leben zu rufen, um eine Möglichkeit zu schaffen, tiefer in die Arbeit vorzudringen.
Bin bereit. Aber jetzt erst einmal einige Wochen in Spanien. – Hmmm? Vielleicht sollten wir die SensoryAwareness-Woche am Meer veranstalten…

Euch allen einen wunderschönen Sommer!
Sascha

http://www.wingtsunwelt.com/wissenswertes/wingtsun-und-sensoryawareness
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Den inneren Schweinehund überwinden, indem man ihn füttert
Manchmal ist es ganz schön schwierig, sich für die geplante Jogging-Runde aufzuraffen oder für die vorgenommenen Übungen. Und ebenso schwer kann es fallen, auf ein Eis am schönen Sommerabend oder auf einen Kaffee zwischendurch zu verzichten. Warum also nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Eis geht in Ordnung – nach dem Joggen. Kaffee, ja bitte! Doch vorher die vereinbarte Menge Liegestütze, dann erst den Kaffee – als Belohnung.
Es funktioniert nicht nur bei Kindern, auch wir Erwachsenen mögen viel lieber Leistung erbringen, wenn eine Belohnung winkt!

Jedem Tierchen sein Pläsierchen!

Welche regelmäßigen Übungen willst du machen und auf welche angenehmen, als nicht ganz gesund erkannten Gewohnheiten nicht verzichten? Diese beiden versuche zu koppeln. Natürlich kommt die Übung zuerst, dann erst, was immer du dir gönnen wolltest.

Ich schaue z.B. gern einmal einen Film an – meist auf DVD. Das erlaubt mir, mich während der ersten halben Stunde vor dem Fernseher umzuziehen, bereit zu machen fürs Laufen. Nach dem ersten Drittel stelle ich dann auf Pause und jogge los, mit der Vorfreude auf den Rest des Films. So läuft es sich beschwingt und motiviert, denn die Aussicht ist angenehm, wenn ich heimkomme. Besonders gern nutze ich diese kleine Selbstüberlistung an Winterabenden, an denen ich eher müde bin und mir sonst wohl jede Ausrede recht käme, um ausgerechnet heute das Laufen weglassen zu können.

Auf eine Kaffeepause verzichte ich ungern. Sie kombiniere ich neuerdings mit ein einigen intensiven Körpereinheitsübungen, die just in die Zeit passen, bis der Kaffee fertig ist.

Don‘ts

Eine Belohnung ohne vorherige Übung
Die Belohnung soll auch ausfallen, wenn die Übung ausfällt. Sonst ist man ganz schnell wieder im Trott – ohne Übungen.
Keine Belohnungen neu angewöhnen
Nur solche Belohnungen verwenden, die du dir sowieso schon gönnst. Sonst könnte die Bilanz – zusätzliches Eis für eine Joggingrunde – schnell negativ ausfallen.

Doppelt so viel Training für doppelt so viel Belohnung
Höre auf deinen Körper und mute ihm nur so viel zu, wie sich noch gut anfühlt. Das gilt sowohl für das Training als auch für die Belohnungen!
Fazit

Eine lieb gewonnene, vielleicht nicht ganz so gesunde Gewohnheit kann dir helfen, die gewünschte Bewegung umzusetzen. Mit etwas Fantasie bringst du dein Übungspensum in deinem Alltag viel erfreulicher unter, als bisher gedacht.


Text: Regula Schembri

http://www.wingtsunwelt.com/chikung/den-inneren-schweinehund-ueberwinden-indem-man-ihn-fuettert
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Kämpfer oder Krieger
„Wohin mit der Kraft, Jungs?“
Vielleicht habt ihr euch das auch schon gefragt, wenn das Adrenalin wieder einmal in euch hochkocht. Ich möchte euch dazu hier meine ganz persönliche Erfahrung schildern.

Ich heiße Mathias, 7. SG im WingTsun, bin Jahrgang 1971, Vater von zwei Kindern und Personal Coach. Als ich 2006 mit WingTsun anfing (unterbrochen von Babypausen), fragte mich mein SiFu Oliver Hage, 5. PG, während einer Einzelstunde, ob ich den Unterschied zwischen einem Kämpfer und einem Krieger kenne.
Zu der Zeit war ich Mitglied eines internationalen Motorrad-Clubs, hatte aber auch schon davor immer irgendwie mit meinem Ego zu kämpfen. Ich hatte mich aus Spaß an der Gemeinschaft, an gemeinsamem Motorradfahren und an Partys, aus Abenteuerlust und nicht zuletzt um meiner Angst vor Aggression entgegenzutreten dem Club angeschlossen. Sifu Hage hatte wohl intuitiv ein Gespür für mein Dilemma: Einerseits wollte ich mich mit Kampf und Aggression vertaut machen, um meine Angst davor zu besiegen. Andererseits aber hatte und habe ich eine tiefe Abneigung gegen Aggression und Gewalt.

Er erklärte mir, dass der Kämpfer um des Kämpfens willen kämpft. Er perfektioniert seinen Kampfstil, um der Beste zu werden. Krieger hingegen seien in erster Linie Bauern, Handwerker, Familienväter, die, wenn das eigene Leben, die Lebensgrundlage und/oder die Familie bedroht waren, zu den Waffen griffen, um es bzw. sie mit aller Kraft zu verteidigen. Wenn die Gefahr beseitigt war, legten sie die Waffen nieder und gingen wieder ihrem Tagewerk nach.
Tatsächlich lässt sich im Internet recherchieren, dass in manchen Kulturen, die auf einer Stammes-, Familien- oder Clanstruktur ohne Standesunterschiede aufgebaut waren und Ackerbau und Viehzucht betrieben, Mitglieder dieser Gemeinschaften obiger Beschreibung eines Kriegers am ehesten entsprechen. Als Beispiele finden sich die ursprünglichen schottischen Clans oder die slawischen Stämme.

Ganz egal, wie es auch immer wirklich gewesen sein mag, mir gefällt diese einfache Einteilung. Ich kann mir etwas bildlich darunter vorstellen. Vielleicht habt ihr da auch gleich ein (Vor-)Bild im Kopf.

Will ich Kämpfer werden oder Krieger sein?

Was macht einen Kämpfer aus? Ein Kämpfer kämpft. Er übt nicht nur, er kämpft gegen andere. Um den Umgang mit Aggression und Gewalt zu üben, begann ich zusätzlich zum WingTsun-Unterricht mit Sparring. Ich weiß, das ist nicht mit einem echten Kampf vergleichbar. Der Adrenalinschub ist im echten Kampf weitaus stärker und schwerer zu kontrollieren – wenn es überhaupt gelingt. Und ob man mit heiler Haut davonkommt, ist nie sicher. Aber es führte mich, soweit es für mich möglich erschien, näher an echte Kampfsituationen heran.

Was wäre danach der nächstbeste Schritt zum Kämpfer? Mir einen Gegner für einen echten Kampf suchen? Die große Mehrheit von Möchtegern-Kämpfern würde sich sicherlich instinktiv ein Opfer suchen, bei dem ein Sieg sicher ist. Wohl kaum einer sucht sich als Einzelner auf der Straße oder in der Kneipe bewusst stärkere und vor allem wachsame Gegner, wenn es einfachere Ziele mit besseren Siegchancen und geringerem eigenen Risiko gibt.
Aber was würde ich dadurch gewinnen? Würde ich mich auf Kosten irgendeines armen Kerls selbst achten wollen, nur weil mir mein Ego dafür anerkennend auf die Schulter klopft, dass ich gegen mein persönliches Problem gekämpft habe? Wenn ich darüber nachdachte, bekam ich ein ganz mieses Gefühl. Auf meiner Suche nach Antworten auf die Fragen „Wer möchte ich sein?“ und „Wie kann ich so werden?“ stieß ich auf die Bücher „Dead or Alive“, „Hunting the Shadow“ und insbesondere „Warrior“ von Geoff Thompson. Durch sie wurde mir erst wirklich bewusst, dass Kampf allein um des Kämpfens willen, um das Ego zu befriedigen, letztendlich auch nur eine Flucht vor den eigenen Schwächen in anderen Lebensbereichen ist.

Gehört haben wir dieses Klischee schon unzählige Male, aber nun bekam es für mich Sinn: Wenn du unzufrieden bist mit dir selbst, deiner Arbeit, deiner Beziehung, Geldsorgen hast oder dir die Politik nicht passt, dann setzt diese Unzufriedenheit viel Energie – also Kraft – frei, die du in den Kampf stecken kannst, um ihr ein Ventil – eine Richtung – zu geben. Wenn du nur Kampf und Aggression im Kopf hast, trägst du das immer mit dir und wirst auch in jedem, dem du begegnest, einen potenziellen Gegner sehen. Alles, was du hörst, könnte eine Drohung, Beleidigung oder Herausforderung sein. Wenn du dann deinem Ego nachgibst, bist du vielleicht ein gefürchteter Schläger, aber es löst nicht alle anderen Probleme. So übernimmt man keine Verantwortung für seine anderen Lebensbereiche.
Stattdessen verbirgt man seine Schwäche, nicht die richtigen Antworten auf alle Lebenssituationen geben zu können, hinter der Maske des Kämpfers auf Kosten irgendeines armen Opfers. Das wäre aber nicht wirklich ich. Und irgendwie war ich auch stolz auf mich, dass ich mir eine gewisse Anständigkeit, die ich früher für meine Schwäche hielt, bewahrt hatte. Dann wollte ich doch lieber wie der oben beschriebene Krieger sein.
„Alle Aspekte im Leben erfordern“, so schreibt Thompson, „eine Kriegermentalität.“ Das heißt, Verantwortung für sein gesamtes Leben zu übernehmen: Job, Familie, Gesundheit, Lebenseinstellung, Erfolg und Selbstachtung.

Das erste Kraftprinzip des WingTsun besagt frei übersetzt: „Mache dich frei von deiner Kraft.“ Kraft verstehe ich hier im Sinne von Druck oder unerwünschter Energie im Kampf und generell in allen unangenehmen Lebenssituationen.
Wie äußert sich diese unerwünschte Energie im Alltag: Es ist der Schlag auf die Tastatur, weil ich meinen Job hasse. Es ist die Schreierei zu Hause, weil ich mich wieder um alles kümmern muss. Es ist das Saufen bis Oberkante Unterkiefer, das ich brauche, um „mal abzuschalten“. Es ist die miese Laune, die ich bekomme, wenn ich die Nachrichten sehe. Es ist der Neid und das Selbstmitleid, wenn ich sehe, welchen Wagen der Nachbar fährt. Und so weiter und so weiter…

Verantwortung für mein Handeln übernehmen

Ich verwende meine Energie nun anders. Ich investiere sie in berufliche Weiterbildung, bringe meine Finanzen auf Vordermann, kümmere mich mehr um meine Familie und gehe regelmäßiger ins WT-Training. Ich will das Ruder selbst in die Hand nehmen und versuche mich nicht durch meine „Schatten“, wie sie Thompson bezeichnet, steuern zu lassen, die mir einflüstern wollen: „Die Regierung, das Finanzamt, dein Chef, deine Kinder etc. haben Schuld an deiner Situation. Du kannst ja doch nichts dagegen machen. Alle legen dich aufs Kreuz, wenn du nicht aufpasst. Den Nächsten, der dir dumm kommt, haust Du weg…“

Und das Beste ist, es funktionierte mit der Eigenverantwortung. Ich erkannte für mich, dass mich ein Sieg im Kampf allein nicht zu dem Menschen machen konnte, der ich sein wollte. Als ich ein Jahr später auch noch meinen Club aus familiären Gründen verließ, weil sich meine Prioritäten verschoben hatten und mein Umfeld, in dem Kämpfen als Teil der menschlichen Natur akzeptiert wurde, sich änderte, spielte plötzlich Kämpfen und Aggression nicht mehr eine so große Rolle. Meine Ansichten und Einstellungen änderten sich. Ich begegne Menschen nun anders und sie mir. Ich habe das Gefühl, dass Erfolg in vielen anderen Lebensbereichen möglich ist. Mein Leben ist vielseitiger.

Natürlich bin ich weit davon entfernt, frei von Angst oder Aggression zu sein. Es ist sehr leicht, in bestimmten Situationen schnell in alte Denkweisen und Verhaltensmuster zu verfallen, aber ich versuche, sie Stück für Stück durch Neue zu ersetzen. Früher dachte ich zum Beispiel in brenzligen Verkehrssituationen: „Warum schneidet mich dieser Typ mit seinem Angeberschlitten?! Sucht der Streit?! Will der mich von der Autobahn schießen? Dem zeig’ ich’s!“ Heute denke ich eher: „Na, der hat’s wohl nötig. Ich rege mich jetzt nicht auf. Bringt mir nichts. Wenn ich dem jetzt hinterherrase, verblase ich nur meinen teuren Sprit. Und was, wenn ich ihn einhole…? Soll ich ihn mit einer Stunt-Einlage ausbremsen? Das macht keinen Sinn. Es ist schließlich nichts passiert und er hat mich nicht persönlich gemeint, denn wir kennen uns ja nicht.“

Der „Mittlere Weg“

Doch nicht ohne Grund gibt es noch drei weitere Kraftprinzipien im WingTsun. Sie berücksichtigen die Kraft des Gegners, die gegen uns gerichtet wird, ob wir wollen oder nicht, aber auf die wir nur indirekt Einfluss haben. Was ist, wenn uns persönlich jemand trotz unserer Gelassenheit das Leben schwer macht? Wo ist die Grenze, damit aus „Nicht-alles-persönlich-Nehmen“ keine Selbstverleugnung aus Harmoniesucht und aus Selbstverteidigung nicht das Recht des Stärkeren aus übertriebenem Ego wird?

Wie bei allem im Leben kommt es auch hier auf die Balance, den „Mittleren Weg“ an. Dieser Weg zwischen den beiden Extremen von schwachem und übertriebenem Ego ist ein gesundes Selbstwertgefühl. Dazu gehört nach Nathaniel Branden, einem namhaften Psychologen, die oben beschriebene Eigenverantwortlichkeit, persönliche Integrität und Selbstbehauptung. Genau dafür trainiere ich WingTsun – seit Ende 2011 nun bei Sifu Heiko Olear in Wiesbaden.
Dort üben wir regelmäßig den Umgang mit den klassischen Ritualkämpfen, bei denen in der Anfangsphase des BlitzDefence-Programms die eigene Position unmissverständlich klar gemacht wird, wenn es um das eigene Leben und die eigene Gesundheit oder die der Familie bzw. von Freunden geht.

Aber auch in Situationen, in denen es um persönliche Freiheit geht, ist Selbstbehauptung wichtig. Du musst es dir natürlich nicht gefallen lassen, dass du dich nicht frei und entspannt bewegen kannst.
Das Beispiel von Problemen Jugendlicher mit Schulhofschlägern liegt auf der Hand. Du musst täglich in die Schule. Ein Schulwechsel ist nicht ohne Weiteres möglich. Also kann man dem Problem nicht wirklich aus dem Weg gehen. Du willst dich ja auch nicht in jeder Pause auf dem Klo verstecken müssen.
Ein anderes Beispiel ist der klassische Rempler in der Kneipe oder auf einem Volksfest, bei dem du einem angetrunkenen Fremden versehentlich Bier überschüttest. Sofort geht das Geschrei los und der Fremde droht, dir eine reinzuhauen.
Wenn man sich aufgrund dieser Situation entschließen würde, in Zukunft möglichem Stress aus dem Weg zu gehen und keine Kneipen oder Volksfeste mehr zu besuchen, so würde man auf sein Recht auf persönliche Freiheit verzichten. Allerdings ist persönliche Freiheit ist immer subjektiv. Sie muss jeder für sich selbst definieren und liegt in der eigenen Verantwortung.

Ich zum Beispiel sehe keinen Sinn darin, für mein Recht zu kämpfen, in einer miesen Spelunke voll betrunkener Spinner zu sitzen, die Streit mit mir suchen, wenn es mir anderswo viel besser gefällt und ich dort gern gesehen bin. Andererseits habe ich Spaß daran, mit meiner Familie Volksfeste zu besuchen. Dieses Recht lasse ich mir nicht nehmen. Ich bin mir dabei bewusst, dass dort mit manchen Zeitgenossen, speziell bei einem gewissen Alkoholpegel, schon einmal Stress aufkommen kann.

Ich habe aber nun die Erfahrung gemacht, dass ich mit einer entspannten, freundlichen Grundeinstellung auf solchen Festen weit weniger Stress anziehe, als zuvor mit abweisendem Blick, voller Adrenalin und ständig auf der Suche nach potenziellen Stressmachern aufgrund meiner eigenen Ego-Probleme. Es verhält sich ganz im Sinne der selbsterfüllenden Prophezeiung: Erwartest du Aggression, wirst du dich auf Kampf einstellen und dich entsprechend – bewusst oder unbewusst – bewegen und verhalten. Andere reagieren nun – bewusst oder unbewusst – auf dein Verhalten, fühlen sich durch deine „Kraft“ bedroht und werden dadurch ihrerseits eher aggressiv.
Macht man sich stattdessen frei von seiner Kraft und tritt mit gesundem Selbstwertgefühl auf, kann diese Spirale unterbrochen werden.

Fazit und Vorschlag

Ich will zum Abschluss noch einmal auf das erste Kraftprinzip zurückkommen. Sich von seiner „Kraft“ zu befreien – im Kampf oder in anderen unangenehmen Lebenssituationen – ist für mich immer noch die schwerste Übung. Aber es hat ja niemand gesagt, dass es leicht ist. Wie es Thompson beschreibt, ist es aber gerade das, was einen Krieger ausmacht: Er wählt bewusst den schwierigen Weg, um dadurch zu wachsen.
Also hör‘ nicht auf dein Ego, wenn es wieder einmal tobt: „Verdammt! Was will dieser Typ überhaupt von mir?“ oder „Warum passiert mir wieder so etwas…?“ Stattdessen schalte einen Gang zurück, befreie dich von deiner Kraft und frage dich: „Wie kann ich mit der Situation am sinnvollsten umgehen?“

Um einem neuen Denk- und Verhaltensmuster folgen zu können, muss man sich erst einmal bewusst darüber sein, dass man sich in einer Stresssituation befindet. Meist passiert es ganz plötzlich, ohne dass man es kontrollieren kann und erst später merkt man, was da wieder wie automatisiert abgelaufen ist. Um sich der Stresssituation bewusst zu werden, gibt es einen einfachen Trick, der manchem kurzfristig helfen kann: Lege dir, bevor du dich in eine Situation begibst, in der du Stress erwartest, einfach ein handelsübliches Gummiband ums Handgelenk und schnalze es, wenn du dich aufregst. Viele werden das schon automatisch tun. Je aufgeregter du bist, je stärker das Adrenalin fließt, desto stärker schnalzt du es gegen dein Handgelenk. Damit lenkst du deine Gedanken vom eigentlichen Ziel deiner Kraft auf das schmerzende Handgelenk. Das unterbricht die jahrelang eingeschliffenen Verhaltensweisen, die automatisch durch unkontrollierte Adrenalinschübe ausgelöst werden – wie zum Beispiel Fluchen, Toben, Drohen, Schreien bzw. Aggressionen. Dadurch hast du schnell wieder den Kopf frei für andere Gedanken, um angemessen und verantwortungsvoll auf die Situation reagieren zu können.

Ich hoffe, euch durch meinen Erfahrungsbericht den einen oder anderen Fehler zu ersparen.

Text: Mathias Weller, 7. SG
Fotos: WingTsun-Schule Wiesbaden/fotolia

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Jetzt kannst du Kampfkunst studieren!
Wie bereits in der WingTsun-Welt 35 angekündigt, ist es uns gelungen in Zusammenarbeit mit der Universität Derby-Buxton (England) ein reines Kampfkunststudium auf die Beine zu stellen.
Von der Theorie und Praxis verschiedenster Kampfkünste, über ihre Entwicklung und Philosophie bis hin zu akademischen Fähigkeiten und professionellen Tools wird Wissen zu den verschiedensten Themen vermittelt.
Das Beste dabei ist, dass Prof. Dr. Keith R. Kernspecht Vorlesungen hält und speziell im Bereich Kampflogik selbst unterrichtet und Wissen aus seinen neuen, noch unveröffentlichten Schriften einbringt.

Auch habt Ihr den Vorteil, dass Euch einige Inhalte bereits bekannt sind und dass Gelerntes (z.B. aus dem EWTO-Leadership-Programm) angerechnet wird.

Dies ist eine einmalige Gelegenheit, einen einzigartigen Abschluss zu erhalten!

Das Studium ist auch besonders für diejenigen interessant, die keinen Abitur-Abschluss haben, da man über einen Zusatz-Coaching-Course trotzdem die Zulassung bekommt, an der Universität zu studieren.

Der Bachelor ist ein international anerkannter Abschluss und bildet die Grundlage, für einen Master-Kursus, wie z.B. dem ebenfalls in Kooperation mit der EWTO an der Universität Plovdiv stattfindenden Kursus (Spezialisierung WingTsun).

Es handelt sich um ein Fernstudium: Pro Semester wird es eine Präsenzwoche in Heidelberg oder England geben. Alle weiteren Korrespondenzen (Kursinhalte, Prüfungen etc.) werden per Internetkommunikation und schriftlichen Arbeiten abgehandelt.

Bis September muss die Eintragung an der Universität geschehen. Daher ist es wichtig, dass Ihr jetzt schnell handelt! Meldet Euch schnellstmöglich bei uns für weitere Informationen, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist!

http://www.wingtsunwelt.com/ewto/jetzt-kannst-du-kampfkunst-studieren
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10 August 2012

Heute ist Freitag und Freitag wird in der WingTsun Schule Bad Honnef fleißig trainiert. Heute werden wir uns nach der Form mit ein paar praktischen Anwendungen für die Strasse zur Verbesserung unserer Selbstverteidigungsskills auseinandersetzen und gegebenenfalls unsere Blitze wiederholen. Leichtes Pratzentraining werden wir auch machen. Also heute wird es etwas knackiger und weniger theorielastig.

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24 Juli 2012

Liebe Schüler,

auf Grund der so arg hohen Temperaturen werden wir es ein wenig lockerer angehen lassen. Größtenteils werden wir uns mit der Form und DanChi und ChiSau in der WingTsun Schule Bad Honnef auseinandersetzen und somit an unserem taktilen Gefühl arbeiten, was sehr wichtig ist und eigentlich die hohe Kunst des WingTsun auszeichnet. In diesem sinne also bis gleich….

    • #DanChi
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17 Juli 2012

Ein super Training war das gestern in der WingTsun Schule Bad Honnef. Unser Sifu ist hier vor allem auf die verbalen Auseinandersetzungen eingegangen, welche für die Selbstverteidigung sehr wichtig ist. Da die meisten Schlägereien ein verbales Vorspiel haben ist es sehr wichtig den Schülern zu vermitteln auf die Art der ersten Konfrontation richtig einzugehen und somit nicht auf die “Maschen” der Aggressoren hineinzufallen und somit dem erwarteten Muster des Angreifers zu folgen.

Des weiteren haben wir an der Basis des LatSao gearbeitet, was vor allem dazu dienen so die Reaktionsfähigkeit und Wachsamkeit zu trainieren.

Im Grossen und Ganzen danken wir unserem Sifu für ein super Training….

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    • #verbales Vorspiel Schlägerei
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Schule für moderne Selbstverteidigung und Selbstbehauptung - Mitglied der EWTO

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